FeedGundui
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Gundui, eine Art Bastfasern, s. unter Cordia. Gundulié (Iwan) oder Gondola (Giovanni di Francesco), der bedeutendste Dichter der slaw. (kroat.⸗serb.) Litteratur Dalmatiens, geb. 8. Jan. 1588 in Ragusa. Er erwarb sich früh eine gründliche klassische Bildung, studierte Rechtswissenschaft und bekleidete schon in jungen Jahren vermöge seiner Begabung und seiner vornehmen Geburt (die Familie gehörte zu den Nobili, Vlastela) hohe Amter der Republik Ragusa, auch das des Rettore EKnez). Seine dichterische Thätigkeit soll G. begonnen haben mit einer übersetzung von Tassos „Gerusalemme liberatas, doch ist dieselbe nicht erhalten; auch später übersetzte er aus dem Italienischen, so unter anderm Girolamo Pretis Amante timidov. Seine selbständigen Werke bewegen sich in dem Kreise der damals in Italien herrschenden Richtungen, so namentlich seine klassische und idyllische Stoffe behandelnden Dramen (Ariadnev, „Proserpina, (Dubrapka » u. a.). Unter seinen lyrischen Gedichten ragt hervor Die Thränen des verlorenen Sohneso (Suze sine raumetnogas; auf Grundlage des bekannten biblischen Gleichnisses). Sein berühmtestes Werk, überhaupt das angesehenste der ganzen südslaw. Poesie, ist sein episches Gedicht Osmanv in 20 Gesängen (von denen jedoch 14 und 15 fehlen; Nachdichtungen dieser Gesänge verfaßten Peter Sorkokevic und IJwan Mazuranic). Es behandelt den Krieg des jungen Sultans Osman II. (1618—22) mit den Polen (dem Kronprinzen, spätern König Wladislaw IV.) und dessen Schicksale und tragisches Ende nach der verlorenen Schlacht bei Chotim, mit Beziehung auf den die ganze Zeit bewegenden Riesenkampf zwischen Christen und Türken. Gundulie verrät außerdem manche Beziehungen zu der gleichzeitigen, denselben Kampf behandelnden serb. Volkspoesie. Seine sämtlichen Gedichte zeichnen sich durch eine vorher und nachher unübertroffene Vollendung der Form und Gewandtheit der Sprache aus. Er starb 8. Dez. 1638 in Ragusa. Von seinen Werken ist vieles verloren gegangen; das Erhaltene hat A. Pavie herausgegeben («Stari pisci hrratslcio, Bd. 9: ODjela IVa Frana Gunduliéçad, Agram 1877). Gungl (Joseph), Dirigent und Komponist, geb. 1. Dez. 1810 zu Zsämbék in Ungarn, war anfangs Lehrer, dann sieben Jahre Soldat, worauf er zur Regimentsmusik kam. Bald wurde er Kapellmeister des Regiments und komponierte mit vielem Glück. Großen Erfolg hatten seine Konzerte, die er mit einer neugebildeten Kapelle 1843 —48 in Berlin, 1848 —49 in Amerika, 1850 in Rußland unternahm. Von 1856 bis 1864 war er wieder Regimentskapellmeister in Osterreich, hatte dann acht Jahre lang seinen Sitz in München, entließ aber 1873 seine Kapelle und reiste nun wiederholt allein nach London, Hamburg und Paris, um dort Promenaden⸗ oder Sommerkonzerte und Opernbälle zu dirigieren. G. lebt in Frankfurt a. M., wo seine Tochter Virginia als Opernsängerin engagiert ist. Seine zahlreichen Tänze und Märsche sind allgemein geschätzt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 627Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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