Halle an der Saale. Dieselben haben eigentümiche Festlichkeiten und Reste eines besondern Dialekts, der in zahlreichen Kunstausdrücken von dem Gebrauche aller andern deutschen Salinen durchaus verschieden ist und nur bei den Salinen zu Staßfurt und Schönebeck von Halle aus Eingang gefunden hat. Früher beobachteten die H. eine strenge, kastenartige Abgeschlossenheit, sodaß sie selbst nicht durch Heirat sich mit der Stadtgemeinde vermischten,t und ihre Anzahl war einst so bedeutend, daß sie noch 1545 über 600 streitbare Männer gestellt haben sollen. Im Mittelalter erscheinen sie als die treuesten Anhänger der hallischen Pfänner-Aristokratie und waren für die Verteidigung der Stadt mit dem Dienst an den Geschützen betraut. Nach ihrer Beschäftigung zerfielen die H. in drei Klassen: die Gerenthner, die Wirker und die Läder mit den Stopfern. Die Gerenthner oder Bornknechte zogen das Salzwasser aus den Brunnen und trugen es in die Siedehäuser, wofür sie ihren Lohn nicht in Geld, sondern in Sole erhielten, die unter dem Namen Gerenthe auf ihre Rechnung versotten wurde. Sie bildeten eine besondere Innung mit eigener Kasse und eigenen Gesetzen, brauchten aber nicht gerade H. von Geburt zu sein. Unter die Wirker und Läder dagegen durften nur solche Männer ederi⸗ Geburt aufgenommen werden, deren Eltern beiderseits zu den H. gehörten. Diese beiden Klassen oder die eigentlichen . hatten leiche Rechte und gleiche Privilegien. Zu den irkern gehörten die Sogger (Sieder), Salzträger, Gruder (Heizer) und die bei der Salzbereitung beschäftigten Knechte. Zu den Lädern, welche das Verladen des Salzes besorgten, 6 mes die Stopfer, deren Aufgabe darin bestand, die Wagen in gehörigen Stand zu setzen und das Salz vor Nässe zu schützen. Als die eigentlichen Meister galten die Sieder bei der Pfanne, welche (während des 18.. Rothes für den Pfänner oder den Eigentümer des othes (Siedehauses) alles Nötige besorgten und neten Dur und sich wöchentlich mit ihm berechneten. Durch das Salzmonopol und die Aufstellung einer Dampfmaschine zur Hebung der Sole aus den Brunnen sind die Läder und die Gerenthner gänzlich eingegangen. Seit 1789 zwei große gemeinschaftliche Siedehäuser an die Stelle der kleinen Kother traten, von denen über 100 in der Nähe der Brunnen gestanden hatten, nahm auch die Anzahl der Wirker ab; gegenwärtig arbeiten noch etwa 100 H. in der seit 1868 wieder ausschließlich pfännerschaftlichen Saline. Die übrigen haben sich andern bürgerlichen Beschäftigungen zuewendet. Von ihren Privilegien haben sich einige este bis auf die Gegenwart erhalten. Die Eigentümlichkeiten der H. führten zu der Annahme, daß sie einem fremden Volksstamme angehören. Während aber die Vermutung slaw. Abkunft sich nicht bestätigte, hat die Untersuchung der Kunstausdrücke ezeigt, daß die Mehrzahl derselben in der kelt. prache ihre Erklärung findet, die selbst das Wort halbwyr (sspr. hallär) in der Bedeutung «Salzbereiters darbietet. Deshalb haben Leo und Keferstein den H. keltische Abstammung zugeschrieben. Vgl. Keferstein, eüber die H.» (Halle 1843); Leo in Haupts «Zeitschrift für deutsches Altertum v (Bd. 5). Inzwischen ist neuerdings die wohlbegründete und von den H. selbst geteilte Meinung wiederholt aufgetreten, daß man in den H. Ablömmlinge der ältesten fränk. Kolonie bei der Burg Halla (s. Halle) zu sehen habe. Vgl. auch Schwetschke, «Zur Gewerbegeschichte der Stadt Halle von 1680 bis 1880 (Tl. 1, Halle 18839.