Hardenberg (Albert), hieß eigentlich Rizäus und nahm den Namen H. von seinem Geburtsorte, dem Flecken Hardenberg in der holländ. Provinz Oberyssel, an. Wahrscheinlich 1510 geboren, bezog er 1530 die Universität Löwen und trat hier der scholastischen Theologie entschieden entgegen. Deswegen mußte H. 1538 Löwen verlassen. Er ging nach Mainz, hielt an der dortigen Universität Vorlesungen, kehrte 1540 nach Löwen zurück, mußte aber diese Stadt bald verlassen, begab sich 1543 nach Wittenberg, und schon 1544 empfahl Melanchthon H. dem kölner Erzbischof Hermann von Wied zur Durchführung der Reformation in seinen Landen. Als theol. Ratgeber und zuletzt als Priester in Kampen stand H. dem Erzbischof zur Seite, bis 1547 der Versuch, Köln dem Protestantismus zuzuführen, als gescheitert betrachtet werden mußte. Alsdann wandte sich H. nach Bremen und wurde hier 1547 als erster evang. Domprediger angestellt. Seit dem J. 1555 entbrannte jedoch zwischen H. und seinem ie ber Joh. Timann ein heftiger Streit über die Abendmahlslehre, indem H. sich an Melanchthon anschloß, Timann die Ubiquitätslehre der strengen Lutheraner vertrat. Der Streit endete schließlich damit, daß H. 1561 seines Amtes entsezt und aus Bremen verwiesen wurde. Er fand die erste Zufluchtsstätte im Kloster Rastede in Oldenburg, wirkte von 1565 bis 1567 als Prediger in Sengwarden, seitdem zu Emden in Ostfriesland, wo er 18. Mai 1574 starb. Bgl. Spiegel, Alberr Rizäus H.» (Brem. 1869).