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PflanzenreichBrockhaus 1882

Haustorien nennt man in der Botanik bei parasitisch lebenden Pflanzen die Fortsätze, welche der Schmarotzer in das Gewebe des Wirts hineinsendet, um aus demselben die nötigen Nährstoffe zu schöpfen. Je nach der systematischen Stellung der Parasiten sind auch die 9. verschieden gebaut: bei endophyten Pilzen, wie bei den Peronosporeen, sind es büschelartige Mycelfäden, die in das Gen nere der Zellen eintreten, bei den epiphytischen Meltaupilzen wachsen kleine zapfenartige Fortsätze in die Epidermiszellen hinein. Bei den höhern Pflanzen sind die H. meist wurzelähnliche Gebilde, so bei den Orobanchen, bei den Arten der Gattung Cuscuta, zu denen die Kleeseide gehört. Die Cuscuta-Arten haben windende Stengel, die nicht im Boden wurzeln, also auch keine Nährstoffe aus demselben aufnehmen können; die Stengel sind mit zahlreichen wärzchenartigen Organen, den H., besetzt, die in das Gewebe der Wirtspflanze so weit eindringen, bis sie zu den Gefäßbündeln gelangen. Der Bau der H. von Cuscuta ist ein sehr einfacher; aus den zuerst vorhandenen Wärzchen tritt der eigentliche Saugfortsatz hervor und durchbricht die Rinde der Wirtspflanze, er besteht aus einem Gefäßbündel, welches von mehrern parenchymatischen Zelllagen umgeben ist. (S. Cuscuta.) Die H. haben im allgemeinen die Funktion der Wurzeln, wenn auch ihr anatom. Bau und ihre Stellung am Mutterorgan nicht mit den gewöhnlichen Wurzeln übereinstimmt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 914Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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