FeedLeumund. Die Leumundserforschung
Recht & StaatBrockhaus 1882

Leumund. Die Leumundserforschung, d. h. die Erörterung des bisherigen Lebenswandels eines Angeschuldigten und seines moralischen Charakters durch Zeugenverhörungen, ist ein wichtiger Akt des Untersuchungsprozesses. Schon das alte deutsche Recht gab viel auf den guten oder übeln Ruf, der dem Angeklagten vorherging, und der Prozeß mit Tortur hieß später «crichten auf L.», d. h. auf Indizien. In dem franz. und engl. Strafprozeß werden noch gegenwärtig mit dem Angeklagten und dessen Lebensgange genau bekannte Personen als Leumundszeugen vernommen. Die im deutschen Strafprozesse statt dessen häufig angewendete Einforderung von Berichten der Ortsbehörden ist nur ein ungenügendes Ersatzmittel, da hiermit oft nur Zeugnisse vom Hörensagen, deren Zuverlässig⸗ wurde dadur leit zweifelhaft ist, erlangt werden. 28.Nov. ang

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 38Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 8

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Recht & Staat 6