Linlithgow oder West-Lothian, nächst Clackmannan und Roß die kleinste Grafschaft Schottlands, grenzt im SO. an Edinburgh, im SW. an Lanark und im N. an Stirling und den Forthbusen und zählt (1881) auf 328,4 àkm 43 198 E. Sie besteht größtenteils aus fruchtbarem Hügelland, von den Duneroß⸗, Knock- und Kipphills durchzogen, in dem Kulminationspunkte Cairn-Naple nur 457 m hoch. Der südwestl. Teil ist eben und enthält große Strecken von Moor und Heideland. L. ist der beste Ackergrund Schottlands; man erntet Flachs, Getreide, Kartoffeln und Gartenfrüchte, gewinnt Steinkohlen und Eisen, Quadersteine und Kalk. Die Grafschaft sendet ein Mitglied in das Parlament. Die Hauptstadt Linlithgow, etwa 5,5 km vom Forth, 29 km im Westen von Edinburgh, mit diesem sowie mit Glasgow durch den Unionskanal und die Eisenbahn verbunden, und an einem Lin oder See gelegen, der mit dem Avon in Verbindung steht, zählt (1881) 3913 E. und hat sechs Kirchen und Kapellen, darunter die alte St. Michaeliskirche (den am besten erhaltenen got. Bau Schottlands), ein 1618 erbautes Stadthaus, vor dem der mit vielen grotesken Figuren gezierte Springbrunnen Croß-Well steht, mehrere alte Häuser, welche einst dem Johanniterorden gehörten, ein Gefängnis, ein Litterarisches Institut. Die Bevölkerung unterhält Papierfabriken, Brennereien und Brauereien. Die größte Merkwürdigkeit der Stadt sind die grandiosen Ruinen des 1746 abgebrannten Schlosses, die schönsten in Schottland, einst Witwensitz der Königinnen. Maria Stuart wurde in demselben 1542 geboren. Jenseit der Stadt überschreitet die Eisenbahn den Avon mit einem kühnen Viadukt von 25 Bogen. Den Hafen bildet die Bergwerksstadt Borrowstouneß oder Bo'neß, 4,½ km im Norden von L. gelegen, mit 4256 E.