Lippe (Graf Leopold zur), ehemaliger preuß. Justizminister, der Linie Biesterfeld-Weißenfeld angehörend, geb. 19. März 1815 zu See bei Görlitz, wurde 1849 Staatsanwalt in Friedeberg in der Neumark, später in Kottbus und 1851 in Potsdam. Nach einer vorübergehenden Beschäftigung als Appellationsgerichtsrat in Glogau wurde er 1860 wieder Staatsanwalt und 1861 Oberstaatsanwalt zu Berlin, um demnächst 17. März 1862 nach dem Rücktritt des Justizministers von Bernuth dessen Portefeuille in dem Ministerium Hohenlohe zu übernehmen. Noch in demselben Jahre wurde er zum Kronsyndikus und Mitglied des Hottenbanf es berufen. Während des Verfassungskonflikts that sich L. durch den Eifer hervor, mit dem er jede liberale Regung unter den zu seinem Ressort gehörenden Beamten mit allen Mitteln der Disciplinargewalt unterdrückte und selbst die Urteile der Gerichtshöfe in polit. Prozessen zu beeinflussen suchte. Durch diese Eingriffe in die Unabhängigkeit des Richterstandes rief er die erbittertste Opposition hervor, die namentlich bei Gelegenheit des durch willkürliche Heranziehung von Hilfsrichtern ermöglichten Obertribunalsbeschlusses gegen die parlamentarische Redefreiheit zum lebhaften Ausdruck kam. Am 5. Dez. 1867 wurde L. durch Leonhardt ersetzt und trat nunmehr als Gegner Bismarcks auf, dessen Politik er im Herrenhause an der Spitze der Partikularisten und Ultramontanen bekämpft.