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GeschichteBrockhaus 1882

Lombardei hieß nach den Longobarden (s. d.) derjenige Teil Oberitaliens, der 569 von ihnen erobert und von ihnen am stärksten besiedelt wurde. In den frühesten Zeiten bewohnten dieses Land Gallier, die etwa zur Zeit des Tarquinius Priscus sich hier festsetzten; dann eroberten es die Römer, die es unter dem Namen Gallia Cisalpina bis zur Auflösung des Weströmischen Reichs besaßen. Von diesen kam es unter die Herrschaft erst des Odoaker 476—493, dann der Ostgoten 493—553, hernach der griech. Kaiser 553—568, endlich der Longobarden 569—774, durch deren Besiegung Karl d. Gr. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XI. ( d.) die L. mit Mittelitalien in das Fränkis Reich hineinzog. Alle diese Gebiete Wuoon Otto I. 951 dauernd mit dem Deutschen Reiche vereinigt. Die Schwäche der Kaisermacht war die Ursache, daß die L. in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters in viele Herrschaften und Stadtrepubliken zerfiel, unter welchen seit dem 12. Jahrh. die Grafen von Savoyen, die Kommunen Mailand, Genua u. a. die mächtigsten waren und in heftigem Kampfe mit den Kaisern ihre Unabhängigkeit zu erringen suchten. Zuletzt wurden sie, unter sich uneinig und zerstückelt, ein Spielball der österr.- span. und der franz. Politik. Seit Ssterreich die Herzogtümer Mailand und Mantua erworben, nannte man diese Provinzen die Osterreichische Lombardei. Dieser Name verschwand jedoch, nachdem Napoleon J. aus diesen und andern Ländern 1797 die Cisalpinische, dann die Italienische Republik, endlich 1805 das Königreich Italien, dessen Beherrscher er selbst war, gebildet hatte. Durch den Pariser Frieden vom 30. Mai 1814 und die Wiener-Kongreß-Akte vom 9. Juni 1815 erhielt osterreich nicht nur seine alten lombard. Besitzungen zurück, sondern es wurde auch hiermit zugleich das oberital. Gebiet der ehemaligen Republik Venedig vereinigt, und diese Länder bildeten seitdem unter dem Namen des Lombardisch-Venetianischen Königreichs (s. d.) einen Bestandteil der österr. Monarchie, bis infolge des Züricher Friedens von 1859 zunächst die L., dann durch den Wiener Frieden von 1866 auch das Venetianische an das neue Königreich Italien kam. Jetzt faßt man unter dem Namen L. die ital. Provinzen Bergamo, Brescia, Como, Cremona, Mantua, Mailand, Pavia und Sondrio als Compartimento zusammen, welche auf 23507 qkm (1882) 3 713 331 E. zählen. Vgl. Handloike, «Die lombard. Städte unter der Herrschaft der Bischöfe und die Entstehung der Kommunen » (Berl. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 161Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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