FeedMargarete von Anjou
GeschichteBrockhaus 1882

Margarete von Anjou, die Gemahlin König Heinrichs VI. von England, eine Tochter des René von Anjou, Titularkönigs der beiden Sicilien und von Jerusalem, und der Isabella von Lothringen, gehörte, von einem Bruder Karls V. von Frankreich abstammend, dem Geschlecht der Valois an und wurde 1429 geboren. Im J. 1445 wurde sie mit dem geistesschwachen Heinrich VI. vermählt, um den Frieden zwischen Frankreich und England zu befestigen. Die Feinde des Herzogs von Gloucester, der als Oheim des Königs die Regentschaft führte, hatten die Ehe herbeigeführt und bewirkten mit ihrer Hilfe den Sturz, vielleicht auch den Tod Gloucesters im Febr. 1447. Nach einer geheimen Bedingung ides Ehekontrakts erhielt der Oheim M.s, Karl von Anjou, Maine und Anjou zurück, und dies erleichterte den Franzosen, welche 1449 den Krieg wieder begannen, besonders die Wiedereroberung der Normandie; 1453 hatten die Engländer alle Eroberungen auf franz. Boden bis auf Calais verloren. Solche Niederlagen wurden der Partei Mis verderblich. Schon 1450 klagte das Haus der Gemeinen [M.s Minister, den Herzog von Suffolk, des Hochpverrats an, setzte seine Verhaftung und nach einem Fluchtversuch seine Hinrichtung durch. Mit Mühe erwehrte sich dann M. des Bauernaufstandes unter John Cade. Es waren die ersten Katastrophen in dem nun beginnenden Bürgerkriege der Weißen und Roten Rose, in welchem M. mit Somerset die Seele der letztern Faktion war, besonders seitdem Sept. 1453 ihr Gemahl geisteskrank geworden war. Nach der Niederlage von Northampton (10. Juli 1460) floh sie mit ihrem Ler l Sohne, Eduard, nach Schottland, kehrte aber, als das Parlament im Okt. 1460 den Herzog von York zum Thronfolger erklärte, zurück und brachte schnell 20000 Mann zusammen, mit welchen sie 31. Dez. 1460 bei Wakefield den Herzog besiegte, der das Leben verlor. Auch überwand sie im Febr. 1461 den Grafen von Warwick bei St.⸗Albans, wodurch der in Gefangenschaft befindliche König die Freiheit erhielt. Trotzdem gelang es dem ältesten Sohne Norks, Eduard IV., sich zum König ausrufen zu lassen, und M. sah sich genötigt, an die schott. Grenze zurückzuweichen. Die Königin hatte bald wieder ein Heer von 60000 Mann gesammelt, das aber 29. Mai 1461 in der Schlacht von Towton vernichtet wurde. Hierauf wendete sie sich mit ihrer Familie nach Schottland und ging von dort, nachdem das Parlament die Acht über das Haus Lancaster ausgesprochen, zu Ludwig XI. nach Frankreich, der ihr unter der Bedingung der Auslieferung von Calais 2000 Soldaten bewilligte. Mit dieser, durch engl. Flüchtlinge verstärkten Macht drang sie aus Schottland in Northumberland ein, eroberte mehrere Schlösser, unterlag aber vollständig in der Schlacht bei Hexham, 15. Mai 1463. Sie floh nach Lothringen, wo sie mehrere Jahre bei ihrem Vater zu Nancy lebte. An der Empörung Warwicks und des Herzogs von Clarence gegen Eduard IV., wodurch Heinrich VI. 1470 für kurze Zeit wieder auf den Thron gelangte, nahm sie anfangs keinen Teil. Erst am Tage der Schlacht bei Barnet, 14. April 1471, in welcher Eduard IV. die Krone wieder eroberte, landete sie in Begleitung ihres 18jährigen Sohnes bei Weymouth in der Grafschaft Dorset mit einem Korps Franzosen. Am 4. Mai 1471 wurde sie aber in dem mörderischen Gefecht bei Tewkesbury von Eduard IV. völlig geschlagen und nebst ihrem Sohne gefangen genommen. Man brachte den Prinzen vor den König, vor dessen Augen ihn die Herzöge von Clarence und Gloucester niederhieben. Gleich ihrem Gemahl, dessen man sich durch Mord entledigte, wurde auch M. in den Tower gesetzt. Hier blieb sie vier Jahre, bis Ludwig XI. von Frankreich zufolge des Vertrags von Pecquigny mit 50000 Kronen sie auslöste. Sie kehrte nun nach Frankreich zurück. wo sie 25. Aug. 1482 starb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 441Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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