FeedMasanderau oder Masen-deran
ErdkundeBrockhaus 1882

Masanderau oder Masen-deran, auch Mazenderan geschrieben, eine Provinz Persiens an der Süd⸗ und Südostküste des Kaspischen Meers, ein etwa 355 km langer Landstrich von ungefähr 27090 qkm Flächeninhalt, besteht aus einer flachen Küstenebene von wechselnder Breite, aber ohne gute Häfen, mit den terrassenartig dahinter aufsteigenden Vorketten des hohen Elbursgebirges. Das Land ist reichlich bewässert durch eine Menge kleiner Flüsse, hat ein warmes, überaus feuchtes und ungesundes Klima und in den Ebenen und Thälern ungemein fruchtbaren Boden. Die Maulbeerbäume werden zur Seidenzucht benutzt; die dichten Waldungen bilden einen Hauptreichtum des Landes. Man zieht Pferde, Maultiere, Esel, Schafe und Rinder und treibt Handel mit dem übrigen Persien und mit Rußland, welches von hier Seide, Reis und Baumwolle bezieht. Die Bewohner (etwa 300000) sind zum größern Teile Nomaden, deren Häuptlinge an Persien Tribut zahlen. M., ein Teil der alten Landschaft Hyrkanien, bei Firdusi als das Land der tapfern Krieger und Helden oder Divs, aber auch als das Land der Rosen und des ewigen Frühlings gepriesen und noch heute bei den Persern der Garten Jränso genannt, blühte ganz besonders unter Schah Abbas d. Gr., um 1600, auf, welcher, wie andere Herrscher, hier Zaubergärten und Lustschlösser mit Wasserkünsten und Kunstteichen, mit Baumpflanzungen und Terrassenbauten anlegte, deren großartige und liebliche Reste, wenn schon im Verfall, doch heute noch bewundert werden. So der Schahpalast und die Orangen⸗ und Citronenhaine zu Balfrusch (s. d.); die glänzenden Reste zu Aschraf (s. d.), zu Suffiabad, nicht weit von Aschraf, am Meere; in Furrahabad oder Farachabad an der Mündung des Tedschen, wo der Schah Abbas 1628 starb. Die gegenwärtige Hauptstadt M.s ist Sari mit 20000 C., vom Meere entfernt, eine alte finstere Stadt aus Ziegelhäusern.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 498Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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