Merinos heißt eine Gruppe von feinwolligen Schafrassen, welche nach den einen von jeher in Spanien einheimisch gewesen, nach andern von den Mauren eingeführt worden sind. Der Name stammt entweder von merino ⸗ dicht, auch kraus, oder von transmarina, übers Meer gekommen. Die M. wurden 1723 in Schweden, 1748 in Preußen, 1765 und 1779 in Sachsen eingeführt. In letzterm Lande entwickelte sich ihre Zucht zu solcher Höhe, daß unter dem Namen Elektoral (kurfürstlich) der Inbegriff der feinsten Wolle verstanden wird. In Spanien scheidet man die Merinoherden oder Cavagnen in: Estantes, bleibende, welche ihre Weidegründe nicht verlassen, und Transhumantes, wandernde; nach der Wolle in: 1) Negretti, fein; 2) Segovianer und Leoner, mittel; 3) Sorianer, grob. Die span. Merinozucht ist so zurückgegangen, daß man neuerdings mehrmals Zuchttiere aus Sachsen und Schlesien zur Blutauffrischung beziehen mußte. In Deutschland unterscheidet man in der Hauptsache drei große Gruppen der M.: die Elektorals, mit sehr feiner, aber kurzer Wolle, die Negrettis, mit etwas weniger feiner, aber längerer Wolle (sog. Tuchwolle) und die Rambouillets, mit noch weniger feiner, aber noch längerer Wolle (sog. Kammwolle). Als eine Abart der letztern Gruppe sind auch die seidenwolligen Mauchamps zu nennen. Während die Elektorals von kleinem Körperbau und die Negrettis von kräftigerer Statur sind, zeichnen sich die Rambouillets durch großes Körpergewicht aus und sind deshalb auch zur Mast mehr beliebt, als die beiden erstern Gruppen. Infolge des Preisrückganges der sehr feinen Wollen und der lebhaftern Nachfrage nach Fleisch ist in neuerer Zeit die Zucht der feinwolligen M. sehr zurückgegangen, während sich die Rambouillets, von denen jetzt eine Reihe von Unterrassen mit verschiedener Zuchtrichtung vorhanden ist, verhältnismäßig mehr verbreitet haben. Da jedoch die Mehrzahl der übrigen Schafrassen, besonders der englischen, alle M. im Durchschnitt an Mastfähigkeit übertreffen, so wird in Deutschland die Zucht der M. nicht mehr so stark betrieben, wie bis zur Mitte des 19. Jahrh. Abkömmlinge der M. aus Kreuzungen sind das kurzwollige Southdown-Fleischschaf, vorzüglich zur Schnellmästung geeignet, in England, und das Paduaner Schaf in der Lombardei. Vgl. A. von Weckherlin, «Schafzuchto (4. Aufl., Stuttg. 1865); Körte, (Das deutsche Merinoschaf' (2 Bde., Bresl. 1862); Rhode, Das franz. Merinoschaf» (Berl. 1864); Settegast, Bildliche Darstellung des Baues und der Eigenschaften der Merinowolles (Berl. 1869); von Nathusius, 4Vorträge über Schafzuchto (Berl. 1880); Mitschke-Collande, „Der praktische Merinozüchtero (Berl. 1883).