Schemnitz (ungar. Selmecz-Bänya, im Slawischen Stiawnica), königl. Frei-und Bergstadt in dem Komitat Honth des ungar. diesseitigen Donaukreises, die größte und wichtigste unter den ungar. Bergstädten, in einem tiefen, von kahlen Bergen umgebenen Thal gelegen, durch Zweigbahn nach Gran-Bresnitz mit der Ungarischen Staatsbahn verbunden, zählt mit dem ehemaligen Städtchen Dilln (magyar. Bélabänya) (1880) 15265 Civileinwohner, welche zumeist aus Bergknappen, dann aus Wald- oder Ringbürgern (Bürger, welche Bergbau treiben) und Handel und Handwerke treibenden Bürgern, sowie einem zahlreichen Bergbeamtenpersonal bestehen. Von Gebäuden sind bemerkenswert: das alte Schloß, jetzt beinahe Ruine, drei kath. Kirchen, das Kollegium der Piaristen, die evang. Kirche, das Rathaus, der Kammerhof, das neue Direktions- und das Bergakademiegebäude. Das sog. Neue Schloß oder Schlößl wird jetzt als Feuerwachtturm benutzt. S. ist Sitz der Bergdirektion für den niederungar. Montandistrikt und einer blühenden Berg- und Forstakademie. Letztere wurde 1760 von Maria Theresia gestiftet. Ferner bestehen in S. ein luth. und ein kath. Gymnasium, eine Bergschule und mehrere Thonpfeifenfabriken. Die Stadt und der Bergbau daselbst bestand schon im 8. Jahrh., also schon vor Einwanderung der Ungarn nach Europa; auch hat sie schon zur Zeit der ersten Könige Ungarns eine hervorragende Rolle gespielt; die ersten Spuren des privilegierten Weichbildes fallen auf die Zeit des Königs Bela IV. (1247—70), welch letzterer das in Ungarn älteste Stadt⸗ und Bergrecht S. bestätigt hatte; im 12. Jahrh. wurde S. samt dem ganzen nordungar. Bergdistrikt von flandr. und niedersächs. Kolonisten bevölkert. Deutsche Bergwerks-Generalpächter, z. B. die augsburger Fugger unter den Königen Ludwig II., Ferdinand I. und später, beförderten die Germanisierung des ganzen Bergdistrikts, der sich auch der Reformation anschloß. Jedoch die Gegenreformation drängte das Deutschtum zurück, sodaß im. 18. Jahrh. die Stadt mit dem Bergwerksdistrikt fast ganz slowakisiert wurde. Jetzt besteht die Bevölkerung aus Deutschen (10,3 Proz.), Magyaren (10,1 Proz.), Slowaken (79,1 Proz.). In neuerer Zeit lieferte S. jährlich etwa 116 kg Gold'und 6060 kg Silber. Die größte bergmännische Unternehmung zu S. ist der Kaiser Joseph II.⸗Erbstollen, 1782 begonnen und 21. Okt. 1878 eingeweiht, 16 538 m lang. Die sehenswürdigsten Anlagen befinden sich bei der Vorstadt Windschacht, darunter auch eine Sicherheitszünder⸗ und eine Drahtseilfabrik.