Schönbein (Christian Friedr.), hervorragender Chemiker, geb. 18. Okt. 1799 zu Metzingen bei Reutlingen in Württemberg, beschäftigte sich nach vollendeter Schulzeit einige Jahre praktisch in Böhlingen und später in Augsburg mit Färben, widmete sich hierauf auf den Universitäten zu Tübingen und Erlangen dem Studium der Naturwissenschaften und erteilte dann 1824 —25 chem.⸗physik. Unterricht zu Keilhau bei Rudolstadt. Behufs seiner weitern wissenschaftlichen Ausbildung ging er 1826 erst nach Epsom, wo er an einem Institut Chemieunterricht gab, dann ein Jahr nach London und endlich nach Paris, bis er 1828 einen Ruf an die Universität Basel durch Peter Merians Vermittelung erhielt. Neben seinem Lehrberufe wirkte S. in dieser Stadt, die ihm das Ehrenbürgerrecht erteilte, seit einer Reihe von Jahren als Mitglied des Großen Rats, sowie einiger städtischen Behörden. S verdankt die Chemie mehrere sehr bedeutende Entdeckungen. Seine erste Arbeit betraf die Passivität des Eisens, welche zu einer Reihe voltaischer und elektrochem. Untersuchungen führte. S. entdeckte 1839 das Ozon, im März 1844 die Thatsache, daß auch der Phosphor das Vermögen besitzt, den mit ihm in Berührung gesetzten Sauerstoff in den ozonisierten Zustand überzuführen. Die Untersuchungen des Ozons und eigentümliche hypothetische Ansichten über die chem. Beziehungen dieses Körpers zu den Monohydraten der Salpetersäure und Schwefelsäure leiteten S. im Nov. 1845 zur Entdeckung des Nitrosaccharin, des Nitroamylum, dann, was seinen Namen auch in den weitesten Kreisen bekannt machte, des Nitrofibrin oder der Schießbaumwolle (s. d.). Noch gegen Ende 1845 stellte S. das Collodium (s. d.) dar, das er alsbald zur chirurgischen Anwendung empfahl. Später beschäftigte er sich fast ausschließlich mit Ermittelung der Umstände, unter welchen der Sauerstoff zur chem. Wirksamkeit bestimmt wird, und gelangte infolge dieser Untersuchungen zur Ermittelung der allgemeinen Thatsache, daß bei der in feuchtem Sauerstoff oder atmosphärischer Luft erfolgenden langsamen Oxydation unorganischer und organischer Materien Wasserstoffsuperoryd erzeugt wird. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen legte er meist in Zeitschriften und Sammelwerken nieder. Er starb 29. Aug. 1868 zu Baden-Baden. Von seinen Schriften sind besonders zu nennen: Das Verhalten des Eisens zum Sauerstoffe (Bas. 1837), (Beiträge zur physik. Chemiey (Bas. 1844), «über die Erzeugung des Ozonso (Bas. 1844), «über die langsame und rasche Verbrennung der Körper in atmosphärischer Lufto (Bas. 1845). Vgl. Hagenbach, «Christian Friedrich S. (Bas. 1868).