FeedSchreuck (Karl, Freiherr von)
GeschichteBrockhaus 1882

Schreuck (Karl, Freiherr von), bayr. Staatsmann, geb. 17. Aug. 1806 zu Wetterfeld bei Cham, der Sohn des bayr. Justizministers Sebastian von S,, studierte die Rechte, wurde 1834 Landgerichtsassessor in Landshut und 1838 Regierungsrat im Ministerium des Innern. Im J. 1845 wurde er zum Regierungspräsidenten der Pfalz, 1846, an Stelle seines pensionierten Vaters, zum Justiz⸗ und Kultusminister ernannt. Im Febr. 1847 unterzeichnete er das bekannte Memorandum des Ministeriums an den König Ludwig wegen der Lola Montez, erhielt darauf seine Entlassung, wurde zunächst zum Regierungspräsidenten der Oberpfalz ernannt, aber schon nach sechs Wochen in den Ruhestand versetzt. In einem bayr. Wahlkreise wurde er 1848 in die Deutsche Nationalversammlung gewählt, wo er sich nicht bemerklich machte. König Maximilian ernannte ihn 1849 zum Präsidenten der Regierung von Niederbayern und 1850 wurde er als Gesandter an den reaktivierten Bundestag geschickt, in welcher Stellung er die Politik des Ministeriums Pfordten vertrat. Als der König 1859 von der Pfordten entließ, um Frieden mit seinem Volke zu habenv, brden S. den Auftrag, das neue Ministerium zu bilden; er übernahm in demselben die Departements des RAußern und des Handels. Während dieses Ministerium in den innern Angelegenheiten günstige Resultate erzielte, hatte die Politik S.s nach außen hin nur sehr zweifelhafte Erfolge. Bei dem immer schärfer hervortretenden Gegensatze zwischen Österreich und Preußen stellte er sich auf des erstern Seite. In der seit 1862 schwebenden Frage des sranz.-deutschen Handelsvertrags hielt er, obwohl nach und nach immer mehr isoliert, so lange an der Opposition fest, bis er, durch ein preuß. Ultimatum gezwungen, Sept. 1864 nachgeben und zugleich auch abtreten mußte. Er ging wieder als Gesandter an den Bundestag, den er 1866 nach Augsburg begleitete, und dessen letzten Sitzungen er nach Abreise des österr. Gesandten präsidierte. Seitdem war er Staatsrat und lebenslängliches Mitglied des Reichsrats; 1868 wurde er von einem oberpfälz. Wahlbezirk zum Abgeordneten des Zollparlaments gewählt. Während des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 und 1871 war S. Gesandter in Wien und seit 1872 Präsident der Kammer der Reichsräte. Er starb 10. Sept. 1884 zu Wetterfeld.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 495Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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