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ErdkundeBrockhaus 1882

Semirjetschensk, ein Gebiet im nordöstl. Teile des russ.⸗asiat. Generalgouvernements Turkestan an der chines. Grenze, erstreckt sich von dem Hauptkamme des Tian-Schan-Gebirges bis an den Balchaschsee, im W. wird es durch den Fluß Tschu vom Syr-Darja-Bezirk und durch einen 25 hohen Bergzug vom Ferghanathale getrennt, während im O. das chines. Iligebiet die Grenze bildet. Das Gebiet S., welches einen Flächenraum von 402203 akm einnimmt, stellt in der südl. Hälfte eine ungemein gebirgige Landschaft dar, indem sich durch dasselbe der Tian-Schan mit seinen mächtigen Nebenketten hinzieht, unter welchen der transilenische Alatau und der Terskij Alatau besonders hervorzuheben sind, zwischen denen auf einem Plateau der große Gebirgssee Issyk-kul gelagert ist. Die nördlichsten Ketten des Tian-Schan fallen nach Norden zu ziemlich plötzlich in ein Tiefland ab, das sich zunächst bis an den Balchasch erstreckt und welches von dem aus dem chines. Gebiete kommenden Ili-Fluß bewässert wird. Bald nachdem der Ili das Berg⸗- und Hügelland verlassen hat, bildet er ein Balchn Delta, indem er sich durch viele Arme in den alchasch ergießt; nach den sieben Hauptarmen heißt das Delta edas Land der sieben Strömev. Während die Gebirge im ganzen ziemlich gut bewaldet sind, meist mit Nadelholz, herrscht in der Ebene Waldlosigkeit; an die Stelle der Wälder tritt die Steppe, welche im Lande der sieben Ströme auf weite Strecken hin in eine vollständige Wüste übergeht. Der Winter ist kalt und von kurzer Dauer, der Sommer lang und heiß, das Klima gilt aber für gesund. Der Boden dagegen ist nicht ergiebig, obgleich die Hälfte des Areals kulturfähig ist, etwa nur 2½ Proz. des Bodens sind angebaut. Die (1883) 639078 Bewohner des Gebiets von S. bestehen hauptsächlich aus Kirgisen, Sarten, Dunganen, Tarnetschen und Russen, welche letztern den größten Teil der Städtebevölkerung ausmachen. Die einheimische Bevölkerung treibt zum Teil Landbau, meist aber Viehzucht, Pferde, Kamele, Schafe sind die wesentlichsten Haustiere. Die Hauptstadt des Gebiets ist Wernyi, am Nordfuße des transilenischen Alatau gelegen, mit 17544 E., Sitz des Gouverneurs und der Verwaltung des Landes. liber Wernyi wird zum Teil der Handel von Turkestan nach China vermittelt, indem von hier die Handelsstraße an den Ili geht, dessen Thal einen natürlichen Verkehrsweg nach Hochasien bildet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 689Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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