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GeschichteBrockhaus 1882

Semiramis, Königin von Assyrien, einer der berühmtesten Frauennamen der Weltgeschichte, ist trotzdem für die Geschichtsforschung ein schwieriges Problem. Nach der durch die Perser und mittelbar durch die Griechen und Römer überlieferten Legende war sie die Gemahlin des Onnes, eines Feldherrn des assyr. Königs Ninus (s. d.). S. soll, nach der pers. Quelle, die uns durch Diodor von Sicilien überliefert ist, bei der Belagerung von Baktra dem Ninus den Weg angegeben haben, wie er in die Stadt eindringen könne. Ihr erfolgreicher Rat gewann ihr nach dem Selbstmorde ihres Gemahls die Hand des Königs. Nach Ninus' Tode übernahm sie die Regierung für ihren Sohn Ninyas und soll unter dieser Regentschaft oder Herrschaft Afrika bekriegt, Indien mit einem ungeheuern Heere überzogen haben, welches aber gänzlich vernichtet wurde; ferner soll sie Babylon und eine Menge anderer Städte erbaut und überall die großartigsten Werke, Kunststraßen und Kanäle angelegt haben. So legte man ihr im allgemeinen alle bedeutenden Bauunternehmungen Asiens bei, unter anderm auch die ihr nicht gehörenden Mauern und die schwebenden Gärten Babylons, die zu den sieben Weltwundern zählten. Sie soll nach 42jähriger Regierung von ihrem Sohne Ninyas, mit dem sie, nach einer Sage, blutschänderischen Umgang hatte, ermordet, nach andern nur vom Throne entfernt worden sein. Diese Legende setzt sie gegen 2000 v. Chr. Daneben wird aber von dem glaubwürdigen Herodot eine andere historische S. genannt, die fünf Geschlechter vor Nitokris in Babylon herrschte, also gegen 800 v. Chr. Wirklich kennen zu dieser Zeit die Keilinschriften eine Königin Sammuramat; man hat aber nur den Namen, und da die Regierung ihres Gemahls Bennirar (gegen 850) Jahr für Jahr bekannt ist, ist es sehr fraglich, ob die erwähnte Frau mit der S. Herodots identisch ist. Berosus setzte sie 1356 —1314; dieses Datum muß wohl als Epoche der historischen S. festgehalten werden. Angeblich bedeutet ihr Name Taube; diese griech. Etymologie ist aber sehr zweifelhaft. Späterer Forschung muß Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XIV. überlassen bleiben, festzustellen, ob und inwiefern die S. des Herodot und der Keilschriften den Anlaß zu der alten, berühmten Frauengestalt gegeben hat; mit ihrer Geschichte ist jedenfalls der Mythus der Derketo, wie der Astarte oder Ister verschmolzen. Vgl. Lenormant, «La légende de S.v (Par. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 689Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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