FeedSemipelagianer
ReligionBrockhaus 1882

Semipelagianer, eine erst im Mittelalter aufgekommene Bezeichnung für eine theol. Richtung des 5. Jahrh., die zwischen dem strengen Augustin (I. d.) und dem Pelagianismus zu vermitteln suchte. Schon zu den Lebzeiten Augustins regte sich unter den Mönchen in Afrika und namentlich in Gallien eine Opposition gegen dessen Ansichten, daß der menschliche Wille völlig verdorben und zum Guten ganz unfähig sei. Diese Opposition, die ebenso sehr die Notwendigkeit der göttlichen Gnade als die Freiheit des menschlichen Willens betonte, und deren Haupt Joh. Cassianus, Klostervorsteher zu Massilia war, setzte schließlich auf den Synoden zu Arelate (472) und Lugdunum (475) die Verdammung des Presbyters Lucidus, eines eifrigen An-⸗ hängers Augustins, durch und nahm ein vom Bischof Faustus von Reji verfaßtes semipelagianisches Glaubensbekenntnis an. In Afrika und Italien dagegen hielt man am augustinischen Lehrbegriff fest und auch in Gallien kam er in gemilderter Form auf der Synode zu Arausio (529) wieder zum Durchbruch. Aber der Sieg Augustins war doch nur ein äußerlicher; in That und Wahrheit wurde in der kath. Kirche der Semipelagianismus immer mehr herrschend. Vgl. Geffken, Historia Semipelagianismi antiquissimap (Gött. 1826); Wiggers, Geschichte des Semipelagianismusv (Hamb. 1835).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 689Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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