FeedSepp (Joh. Nepomuk)
ReligionBrockhaus 1882

Sepp (Joh. Nepomuk), namhafter kath. Theolog und Geschichtschreiber, geb. 7. Aug. 1816 zu Tölz im bayr. Hochlande, widmete sich zu München philos. und theol. Studien und begann im Alter pvon 23 J. sein gegen Strauß gerichtetes «Leben Jesuv (7 Bde., Regensb. 1842—46). Vom Standpunkte der talmudisch-rabbinischen Litteratur begründete S. durch dieses Werk eine neue histor. Exegese. Seine Ideenwelt ist die von Görres und Schelling, nur befolgt er eine mehr kritische Richtung. Die Grundlage bildet Bd. 1: «Die Chronologie mit vollständiger Berichtigung der christl. Zeitrechnungo. Zur geogr. Orientierung unternahm S. 1845—46 eine Reise nach Syrien, Palästina und Agypten. Nach der Rückkehr als Professor der Geschichte an der münchener Universität wurde er in der Lola-Periode 1847 mit sieben Kollegen entsetzt und aus der Hauptstadt verbannt. Nach der Märzrevolution 1848 von Paris zurück, ward er in die Deutsche Nationalversammlung, 1849 in die bayr. Kammer gewählt, wo er sich als Konservativer bekundete. Im J. 1850 erfolgte seine Wiedererhebung auf den Lehrstuhl. Außer einer zweiten Bearbeitung seines «Leben Jesuo (6 Bde., 1854 — 62) erschien als mytholog. Hauptwerk: „Das Heidentum und dessen Bedeutung für das Christentump (3 Bde., Regensb. 1853); dann die beiden gegen Strauß und Renan gerichteten Schrif—⸗ ten Thaten und Lehren Jesu in ihrer weltgeschichtlichen Beglaubigungo (Schaffh. 1864) und 4Geschichte der Apostel vom Tode Jesu bis zur Zerstörung Jerusalems (2. Aufl., Schaffh. 1866); ferner Jerusalem und das Heilige Lando (2 Bde., Schaffh. 1862 —65; 2. Aufl. 1872 — 76), «Neue architektonische Studien und histor.⸗diplomat. Forschungen in Palästinas (Würzb. 1867). Trotz seiner wissenschaftlichen Verdienste mußte S. im Dez. 1867 abermals den Lehrstuhl räumen. Im Febr. 1868 trat er als Abgeordneter ins Zollparlament und wurde auch wiederholt in die Zweite Kammer gewählt, wo S. 18. Juli 1870 durch seine begeisterte Kriegsrede den Eintritt Bayerns in den Nationalkampf gegen Frankreich, sowie 1871 die Annahme der Versailler Verträge durchsetzte. Von S.s histor. Schriften sind noch zu nennen: „Beiträge zur Geschichte des bayr. Oberlandes» (Augsb. 1853—54), (Ludwig Augustus oder das Zeitalter der Wiedergeburt der Künstey (Schaffh. 1869), «Kriegsthaten der Isarwinklers (Münch. 1874), «Altbayr. Sagenschatz zur Bereicherung der indogerm. Mythologies (Münch. 1876). In Fortsetzung seiner theol. und Kunststudien veröffentlichte S. Kirchliche Reformentwürfe, beginnend mit der Revision des Bibelkanons. Ehrerbietige Vorlage an das Vatikankonzil' (1. u. 2. Aufl., Münch. 1870), «Das Hebräer-Evangelium oder die Markus⸗ und Matthäus⸗ Frage und ihre friedliche Lösunge (Münch. 1870), &«Staats- und Kirchenzustände in Süddeutschland v (Münch. 1878). Zum Säkularfest seines Lehrers schrieb er: Görres und seine Zeitgenossen⸗ Mördl. 1877), ein Buch, welches gleichfalls seine Spitze gegen das Vatikanum kehrt. Im Auftrag Bismarcks unternahm S. mit seinem Sohne Bernhard (1874) die „Meerfahrt nach Tyrus zur Ausgrabung der Kathedrale von Tyrus mit Barbarossas Grab» (Epz. 1879), wodurch 16 Kisten mit Antiken ins berliner Museum gelangten. Die Reuen Religionsstudien und topogr. Funde auf der zweiten Orientreise v sind teilweise in der KAllgemeinen Zeitungo veröffentlicht. Ferner schrieb S.: «Die Felsenkuppel, eine Justinianische Sophienkirche, und die übrigen Tempel Jerusalems (mit Bernhard S., Münch. 1882), „Ursprung der Glasmalerei im Kloster Tegernseer (Münch. u. Lpz. 1878), „Der Bayerstamm und seine Ausbreitung über Psterreicho (2. Aufl., Münch. 1882), «Der bayr. Bauernkriegy (Münch. 1884). Auch schrieb S. mehrere Dramen. Bernhard S., Sohn des vorigen, geb. 3. Sept. 1853, schrieb: &Herkunft der Bayern von den Hermundureny (Münch. 1882), (Wanderung der Cimbern und Teutoneno (Münch. 1882), «Tagebuch der unglücklichen Schottenkönigin Maria Stuarto (2 Tle., Münch. 1882 — 83), Maria Stuart und ihre Ankläger» (Münch. 1884), «Der Rücklaß der Schottenkönigin Marig Stuarto (Münch. 1885).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 705Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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