Siemiensti (Lucian), poln. Schriftsteller, geb. 1809 in Kamionna-Gora bei Belz in Galizien, studierte in Odessa orient. Sprachen und trat 1831 in das poln. Revolutionsheer. Er ward gefangen, doch nach Jahresfrist freigelassen und lebte darauf in Galizien, in Straßburg und im Posenschen. Im J. 1848 ließ er sich in Krakau nieder, gründete die Zeitschrift „Czas v(Die Zeito) und war eine kurze Zeit Professor der poln. Litteratur an der Universität. Er starb daselbst 27. Nov. 1877. Von seinen zahlreichen Schriften sind die Poln. und russinischen Legenden» (Pos. 1845), die Erzählung Muzamerito (2 Bde., Pos. 1843) und die im Volkston abgefaßte poln. Geschichte Wieczory pod lipa v (4Abende unter der Linde v, Krak. 1872) hervorzuheben. Zu seinen vielen Beiträgen und Monographien zur poln. Litteraturgeschichte gehören die „Portrety literackie (5 Bde., Pos. 1865—75). Auch hat er treffliche Übersetzungen der Königinhofer Handschrift (Krakau 1836), der Horazischen Oden (Krakau 1869) und der Odyssee (Krakau 1874) veröffentlicht.