FeedSolfatara
TierreichBrockhaus 1882

Solfatara heißt auch der im Altertum unter dem Namen Aquae albulae bekannte und seiner Heilkraft wegen berühmte Schwefelsee und dessen Abzugskanal nach dem Teverone auf dem Wege von Rom nach Tivoli. Der See, der einen Durchmesser von etwa 150 und eine Tiefe von ungefähr 40 mhat, bietet das sonderbare Schauspiel schwimmender Inseln dar, weshalb er auch Lago delle isole natanti heißt. Nicht weit von diesem befinden sich zwei andere kleine Seen, der Lago di San-Giovanni und Lago delle Colonnelle, letzterer 50 m tief und ebenfalls schwefelhaltig. Die Souffrière des 1220 m hohen Morne-Garou auf der Insel St. Vincent in der Reihe der Kleinen Antillen hat 5 Km im Umfang, 150 m Tiefe und in der Mitte einen Kegel, dessen Gipfel mit Schwefel bedeckt ist. Die Souffrière der franz. Antilleninsel Guadeloupe ist 1484 m hoch und stößt beständig Rauch, zuweilen auch Flammen aus. Auch mehrere Berge der engl. Dominica enthalten Souffriren, welche unaufhörlich Schwefeldämpfe ausstoßen und deren Umgebungen so heiß sind, daß man nicht darauf treten kann. Ahnliche Erscheinungen hat die Souffrire der engl. Antilleninsel Montferrat. Das sog. Giftthal auf der Insel Java ist ebenfalls eine erloschene S., die eine so große Masse von Kohlensäure aushaucht, daß kein lebendes Wesen sich ihm nähern darf, ohne tot niederzusinken. Die größte aller bekannten Souffrieren ist die Solfatara von Urumtsi, westlich von der chines. Stadt Urumtsi, fast im Mittelpunkte Asiens, nördlich an dem Bogdo-Ola des Thianschan-Gebirges, zwischen den Vulkanen Peschan im Westen und Hotscheu im Osten. Sie wird von den Anwohnern die Brennende Ebene genannt und hat 56 kmeim Umfang.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 907Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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