FeedSpruner von Mertz (Karl)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Spruner von Mertz (Karl), ausgezeichneter deutscher Geschichtsforscher, Kartograph und Geograph, geb. 15. Nov. 1803 zu Stuttgart, erhielt seit 1814 seine Jugendbildung im Kadettenkorps zu München. Im J. 1825 zum Lieutenant befördert, fand er hinreichend Muße, durch eifrige Studien in den hierzu so Wunebnen Garnisonen zu München, Bamberg und Würzburg die umfassenden Vorarbeiten zu den von ihm beabsichtigten histor.⸗geogr. Werken zu machen. Als Frucht seiner Forschungen erschien zunächst einiges in den Mitteilungen des Historischen Vereins für Oberfrankenv, dann die Schrift „Bayerns Gauey (Bamb. 1831), welche gegen Herrn von Lang gerichtet war, und eine «Gaukarte des Herzogtums Ostfrankeno (Bamb. 1835). S.s Hauptwerk ist der große Histor. geogr. Handatlasv in drei Abteilungen (118 Blatt, Gotha 1837—52; 2. Aufl. 1853fg.). Für das Studium der alten Geschichte veröffentlichte er einen Atlas antiquusv (3. Aufl., neu bearbeitet von von Menke, Gotha 1865) und für das Mittelalter und die Neuzeit einen Handatlas für die Geschichte des Mittelalters und der neuern Zeite (90 Blatt, Gotha 1871—78); ferner einen «Histor.⸗geogr. Schulatlas des Gesamtstaates Osterreichh' (Gotha 1860) und einen von Deutschland (Gotha 1866) und einen „Histor.⸗geogr. Schulatlas» (Gotha 1873), dann Historico-geographical Hand-Atlaso (Lond., Gotha, Neuyork 1861). Außerdem erschien von S. ein musterhaft gearbeiteter aHistor. Atlas von Bayerny (7 Blatt, Gotha 1838). Auch gab er mit Hänle mehrere Reisehandbücher an den Main und in die unterfränk. Gebirge heraus, die sich durch gewissenhafte Quellenforschung wie gefällige Darstellung vorteilhaft auszeichnen. Zwei größere, mit Hänle begonnene Arbeiten, die Tabellen zur Geschichte der deutschen Staateno (Gotha 1846—48) und die „Württemb. Lustschlössers (Stuttg. 1847 fg.), wurden durch die Ungunst der Zeitverhältnisse unterbrochen. Schon früher mehrfach von dem damaligen Kronprinzen Maximilian mit wissenschaftlichen Aufträgen betraut, ward S., nachdem derselbe den Thron bestiegen, 1851 in den Generalstab als Hauptmann versetzt. Er avancierte 1852 zum Major, 1855 zum Oberstlieutenant, 1860 zum Generalmajor,‚ 1869 zum Generallieutenant. Inzwischen hatte ihn 1855 der König Maximilian II. zu seinem Flügeladjutanten erwählt, in welcher Stellung er sich fortwährend des besondern Vertrauens desselben zu erfreuen hatte. Ludwig II. ernannte S. 1864 zu seinem Generaladjutanten. Unter S.s spätern kartographischen Arbeiten sind hervorzuheben die im Auftrage des Königs Maximilian II. angefertigte (Histor. Karte von Europa, Westasien und Nordafrikas (in 9 Haupt-⸗ und 6 Nebenblättern), der (Histor.⸗geogr. Schulatlasv (22 Blatt, Gotha 1856), der „Histor.⸗geogr. Schulatlas von Deutschlando (12 Blatt, 2. Aufl., Gotha 1866), der «Histor.⸗geogr. Schulatlas des Gesamtstaats Ssterreiche (13 Blatt, Gotha 1860) und der «Historico-geographical handatlaso (26 Blatt, Gotha 1861). Von S.s histor. Schriften sind zu nennen: der Leitfaden zur Geschichte von Bayerno (2. Aufl., Bamb. 1853), die Monographie «Pfalzgraf Rupert der Cavaliero (Münch. 1854) und „Die Wandbilder des bayr. Nationalmuseumso (Münch. 1868), welche den Text zu Jos. Alberts Photographien bilden. Sie wurden unter dem Titel «Charakterbilder aus der bayr. Geschichtes (Münch. 1878) neu herausgegeben. S. schrieb auch drei histor. Schauspiele: 4Graf Arcos Heldentodo, Der letzte Bruderkampf im Hause Wittelsbacho und Die Wege des Glücksv. Auch ist er der Verfasser der «Jamben eines greisen Ghibellineno (Bonn 1876), denen ein weiteres Heft: «Aus der Mappe des greisen Ghibellinenv (Münch. 1882) folgte. S. trat im Sommer 1886 in Ruhestand.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 115Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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