Tassilo (unrichtig oft Thassilo geschrieben), der letzte Herzog in Bayern aus dem Stamme der Agilolfinger (s. d.), war sechs Jahre alt, als er 748 seinem Vater Odilo folgte. Schon im nächsten Jahre wurde er von Grifo, dem Halbbruder Pipins des Kleinen, des nachherigen Königs der Franken, vertrieben, jedoch durch letztern, der sein Oheim war, wieder in sein väterliches Erbe zurückgeführt. Unter Pipin machte er den lombard. Feldzug mit und 757 leistete er dem König die Huldigung als Vasall. Aber auf dem aquitanischen Feldzuge 763 verließ er eigenmächtig das fränk. Heer und entzog sich der Abhängigkeit vom König. Er kehrte in sein Herzogtum zurück, entriß 772 den Slawen das Pusterthal (in Tirol) und Kärnten, vermählte sich mit Liutberga, der Tochter des letzten Königs der Longobarden, Desiderius, und ernannte eigenmächtig seinen Sohn Theodo 777 zum Mitregenten. Seinem Schwiegervater gegen Karl d. Gr. beizustehen, hatte er jedoch nicht gewagt; nach manchem Schwanken erschien er 781 auf Karls Gebot zur nochmaligen Huldigung in Worms. Da er jedoch die Treue nicht hielt, bedrohte ihn Karl 787 mit überlegener Macht, und er unterwarf sub ohne Kampf. Obgleich er Theodo und andere als Geiseln gestellt hatte, ließ er sich nun in hochverräterische Verbindungen mit den Avaren ein, erschien jedoch 788 auf dem Reichstag zu Ingelheim, wohin er geladen war, und wurde hier zum Tode verurteilt. Karl schenkte ihm das Leben, schickte aber ihn, seine Frau und seine Kinder in verf chiedene Klöster, und ließ Bayern durch fränk. Grafen verwalten. T. selbst starb in Lorsch; sein schönstes Denkmal ist das von ihm gestiftete Kloster Kremsmünster (s. d.)