Schulze (Ernst Konrad Friedr.), talentvoller deutscher Dichter der nachklassischen Periode, geb. 22. März 1789 zu Celle, besuchte das Gymnasium daselbst und ging im Herbst 1806 zum Studium der Theologie nach Göttingen. In Bouterweks «Neuer Vestay (Lpz. 1808 u. 1810) erschien sein (Amor und Psyche, Fragment aus einem griech. Märcheno, ein Gedicht, welches durch reiche Erfindung und geschmackvolle Darstellung, namentlich durch zierliche Ausmalung des Einzelnen sich vor andern Nachahmungen Wielands auszeichnet, jedoch der tiefern poetischen Bedeutung entbehrte. Seine Liebe zu Cäcilie Tychsen feierte er in «Cäcilie, ein romantisches Gedicht in 20 Gesängenv (2 Bde.; neue Aufl., Lpz. 1822; Miniaturausg., Lpz. 1849 u. öfter), zu welchem der Sieg des Christentums über die nordischen Völker ihm den Stoff an die Hand gab. Nach Cäciliens frühem Tode übertrug S. seine Liebe auf deren Schwester Adelheid. In dieser Zeit verfaßte er eine Menge kleiner Gedichte, poetische Episteln, Elegien, nach Inhalt und Form die bedeutendsten unter seinen Dichtungen, welche er selbst gesammelt herausgab (Gött. 1813), während noch manches andere ebenso wie die „Cäciliev, erst nach seinem Tode als «Poetisches Tagebucho herauskam. Seine theol. Studien hatte S. bald aufgegeben und sich der Philologie zugewandt. Er promovierte und habilitierte sich 1812 mit einer exegetischen Arbeit über das Pervigilium Veneris o. Als akademischer Lehrer hatte er jedoch kein Glück. Dazu trug er den Keim einer Krankheit in sich, welche die Ursache seines frühen Todes werden sollte. Die patriotische Bewegung der J. 1813 und 1814 schien zwar noch einmal seine Kraft zu beleben, und er machte im Beaulieuschen Jägerkorps den Feldzug an der Niederelbe mit. Aber sein Gesundheitszustand wurde nach seiner Rückkehr nur bedenklicher. Im Herbst 1816 unternahm er noch eine Fußwanderung am Rhein und Main. Seine letzte Dichtung ist die formvollendete 4Bezauberte Rosesin verschiedenen Ausgaben: 13.Aufl., Opz. 1877; illustrierte Prachtausg. mit Holzschnitten nach Zeichnungen von Baumgarten, Lpz. 1862), ein poetisches Märchen, in welchem er die ganze Fülle seines eigenen Wesens aussprach. Das Gedicht gewann den von F. A. Brockhaus für die *Uraniar ausgesetzten Preis und wurde in derselben (1818) zum ersten mal gedruckt. Inzwischen war S. im Frühjahr 1817 in das elterliche Haus zurückgekehrt. Hier starb er 29. Juni 1817. Sein Grab in Celle wurde 1855 durch ein Monument geschmückt, welches die Verlagshandlung seiner Werke, F. A. Brockhaus, ihm errichten ließ. S. ist nur in beschränktem Sinne den Romantikern zuzuzählen. Er erklärte sich selbst für einen entschiedenen Gegner der «falschen Romantiker Indem er, von Wieland ausgehend, den epischen Inhalt einer idealen Ritter⸗ und Feenwelt sich aneignete, hielt er sich doch von den Formlosigkeiten und Verirrungen der romantischen Schule fern. Eine Ausgabe seiner «Sämtlichen poetischen Werker nebst einer Biographie des Dichters gab sein Freund und Lehrer Bouterwek (4 Bde.; neue Aufl., pz. 1822) heraus. Unter seinen „Vermischten Gedichten » (3. Aufl., Lpz. 1852) befinden sich viele der zartesten Blüten deutscher Lyrik. Eine neue Gesamtausgabe der Werke S.s, mit einer aus seinem Tagebuch- und Briefnachlaß geschöpften vollständigen Biographie des Dichters von H. Marggraff, erschien in fünf Bänden (Lpz. 1855).