FeedTechnologie (arch., von techne und logos)
TechnikBrockhaus 1882

Technologie (arch., von techne und logos), d. i. Kunstlehre, daher nach dem Begriff der Alten die Aufstellung der Regeln, nach welchen die Behandlung und Darstellung einer Kunst zu geschehen hat; nach neuerm Begriff soviel wie Gewerbekunde, die wissenschaftliche Darstellung, Beschreibung und Erklärung der in den verschiedenen Gewerbsthätigkeiten vorkommenden Apparate, Werk euge und Verfahrungsweisen. (Vgl. Polytechnik und Technik.) Die T. enthält demnach die systematische Erläuterung derjenigen Arbeitsprozesse und Hilfsmittel, durch welche Naturprodukte und Halbfabrikate in Verbrauchsgegenstände verwandelt werden. Hierdurch sind ausgeschlossen diejenigen Gewerbe, welche sich mit der Erzeugung der Rohstoffe oder dem Umsatz der Natur⸗ und Gewerbeerzeugnisse beschäftigen, also Landwirtschaft, Bergbau und Handel. Die Belehrung über Verfahrungsarten und Hilfsmittel gibt die T. dadurch, daß sie den Gang der einzelnen Operationen, die Einrichtung der Werkzeuge u. s. w. auf Naturgesetze zurückführt und so ihre Notwendigkeit, Wirksamkeit, Aufeinanderfolge, beziehungsweise die zu erstrebenden Verbesserungen nachweist. Demnach setzt ein erfolgreiches Studium der T. ein umfangreiches Wissen voraus, und zwar sind namentlich Naturgeschichte, Physik und Chemie unentbehrlich, Mathematik, Mechanik und Maschinenlehre für ein tieferes Eindringen notwendig, Zeichnen, Warenkunde, Nationalökonomie, Sprachkenntnisse wünschenswert, da ein richtiges Verständnis der in Betracht kommenden Erscheinungen, Forderungen und Erfolge nicht wohl möglich ist, ohne klare Begriffe über Preise, Tauschverkehr, die Teilung der Arbeit, die Anwendung von Maschinen, den Einfluß von Zunftverhältnissen, Beschränkungen und Erleichterungen aller Art auf Preis, Konsum und Ausdehnung der Gewerbe. Je nachdem die darzustellende Gewerbsthätigkeit bloß oder doch vorwiegend eine Formveränderung des Rohmaterials, beziehungsweise des bereits bearbeiteten Materials, wie durch Walzen, Schmieden, Drehen, Ziehen, oder eine stoffliche Veränderung desselben, wie durch Gärung, Färben, Bleichen, bezweckt, nennt man das Gewerbe ein mechanisches oder ein chemisches und unterscheidet dem entsprechend mechanische und chemische T. Die mechanische Technologie befaßt sich besonders mit der Verarbeitung der fertigen Metalle, des Holzes, des Leders, des Horns, der Borsten, der Pelzwaren, der Gewebe, mit der Spinnerei und Weberei, der Papierfabrikation, dem Buchdruck und den ihm verwandten Gewerben. Die Einteilung kann hierbei je nach der Vortragsmethode, d. h. je nachdem die mechanische T. spezielle oder allgemeine (vergleichende) T. ist, eine verschiedene sein. Die spezielle Technologie beschreibt der Reihe nach die Arbeiten, wie sie bei der Herstellung der einzelnen Fabrikate aufeinander folgen müssen; die Einteilung geschieht bald nach den Grundstoffen (Metall⸗, Holz⸗, Stein⸗,Woll⸗, Baumwoll⸗, Flachsbearbeitung u. s. w.), bald nach den Fabrikaten (Schlösser, Gewehre, Uhren u. s. w.), bald, was der unberechtigten Trennungen und Kombinationen wegen am wenigsten rationell erscheint, nach den durch den gesellschaftlichen Gebrauch abgegrenzten industriellen Gebieten (Gießerei, Schlosserei, Tischlerei, Drechslerei, Leinen⸗ oder Damastweberei u. s. w.). Die Durchführung eines streng abgeschlossenen und übersichtlichen Systems in der speziellen T. wird um so schwieriger, je mehr gegenwärtig durch die Ausdehnung des fabrikmäßigen Gewerbebetriebs auf Kosten des Handwerks einerseits Verschmelzung mehrerer Gewerbe zu einem, andererseits Teilung der Betriebe in zahlreiche Spezialitäten stattfindet. Die allgemeine oder vergleichende T., namentlich von Altmüller, Prechtl und Karmarsch in die Lehranstalten eingeführt, betrachtet die Hilfsmittel und die auszuführenden Arbeiten sowohl an sich als im Vergleich mit andern dasselbe oder ein ähnliches Ziel verfolgenden Hilfsmitteln und Arbeiten, z. B. die Webstühle, die Werkzeuge zum Festhalten, zum Zerteilen, zum Bohren u. s. w., sodaß die jedem Zweck mit der durch das Material gebotenen Abänderung entsprechende Klasse von Methoden, Werkzeugen und Maschinen zu einem abgerundeten Ganzen vereinigt wird. Die spezielle T. ist für die genaue Kenntnis eines Gewerbes erforderlich; die allgemeine erleichtert das geistige Erfassen jeder gewerblichen Spezialität. In der chemischen Technologie, welche in neuerer Zeit als besonderes Unterrichtsfach auf Universitäten und technischen Hochschulen anerkannt ist, bildet zunächst die Hüttenkunde (s. d.) für sich eine Unterabteilung. Bei der chemischen T. im engern Sinne findet die Einteilung noch am einfachsten nach den verarbeiteten Rohstoffen statt. Dieselben sind: a) wesentlich mineralischen Ursprungs (die Lehre von der Darstellung der Schwefel⸗, Salz- und Salpetersäure, der Soda und Pottasche, des Salpeters, Kochsalzes, des Schwefels, der Sprengstoffe, der Zündwaren mit Ausschluß des Phosphors, sowie von der Glas⸗, Thonwaren⸗, Cementfabrikation, dem Brennen des Kalkes u. s. w.); b) aus der Pflanzenwelt (die Fabrikation von Zucker, Stärke, Cellulose, von Brot, Wein, Bier, A kohol, Liqueuren, Essig, von Parfümerien, von Lacken und Firnissen u. s. w.); c) tierische Stoffe (die Gerberei, die Leim⸗, Phosphor⸗, Knochenkohle-, Kunstdüngerfabrikation). In alle drei Gruppen greift hinein die Fabrikation und Verwendung der Farbewaren, während die Lehre von der Heizung und Ventilation zwar auf manchen Spezialgebieten, besonders im Beleuchtungswesen, eine Reihe selbständiger Industrien umfaßt, andererseits aber für fast alle Zweige der T. als Pyrotechnik (s. d.) eine der wichtigsten Grundlagen bildet. Ebenso wohl findet man aber auch die Arbeitsvorgänge, nach den Gewerben geordnet, dargestellt, als: Zeugdruckerei, Färberei, Branntweinbrennerei, Bierbrauerei, Zuckerfabrikation u. s. w. Die Fortschritte der chemischen T. erstrecken sich hauptsächlich auf die Ersparnis an Rohstoff, an Brennmaterial und an Zeit durch Vereinfachung und Verbesserung der einzelnen Operationen, namentlich der Vorbereitungsarbeiten. Als Unterrichtsgegenstand trat die T. zuerst 1772 an der Universität auf, wo die Gewerbekunde als Bestandteil der sog. kameralistischen Studien sich allmählich einen Platz errungen hatte. Über technische Hochschulen s. unter Polytechnische Schulen. Den ersten Versuch, ein Lehrbuch der T. zu schreiben, machte 1777 Beckmann, den man überhaupt als Begründer der T. betrachten muß. Er war der erste, welcher die Industriezweige nicht nach ihrer äußern, in der bürgerlichen Irdnung und den Betriebsverhältnissen begründeten Abzweigung, sondern nach der innern meren muchte.: Rach Bech verrichtungen zu klassifizieren suchte. Nach Beckmann erlangten zu Anfang des 19. Jahrh. als Technologen einen ausgebreiteten und dauernden Ruf Hermbstädt in Berlin und Poppe in Tübingen. Noch mehr wurde der T. aufgeholfen durch die Arbeiten von Prechtl, Altmüller (beide in Wien), Bernoulli (in Basel) und vor allen durch Karmarsch (in Hannover), der durch seine Schriften neben Hartig (in Dresden), Hoyer (in München) u. a. viel zur Verallgemeinerung der technischen Bildung beigetragen hat. Unter denjenigen, die vorzugsweise die chemische T. pflegen, sind in erster Linie zu nennen Fr. Knapp (in Braunschweig), Friedr. Heeren (in Hannover) und Rud. von Wagner (in Würzburg). Die Werke des letztern, namentlich dessen „Handbuch der chemischen T. » (11. Aufl., Lpz. 1879) und seine «Technolog. Jahresberichter (1855—79), haben wesentlich dazu beigetragen, der T., einer durchaus deutschen Wissenschaft, auch im Auslande Anerkennung zu verschaffen. Die Litteratur der T. ist sehr reich. Für mechanische T. ist Karmarsch, Handbuch der mechanischen T.o G. Aufl., 2 Bde., Hannov. 1876 — 77) das Hauptwerk; für spezielle T. Bernoulli, Handbuch der T.v (2. Aufl., 2 Bde., Bas. 1840); für vergleichende T. Hoyer, «Lehrbuch der vergleichenden mechanischen T.v (Wiesb. 1878); für die chemische T. außer den bereits erwähnten Werken von R. von Wagner: Knapp, «Lehrbuch der chemischen T. (2. Aufl., 3 Bde., Braunschw. 1867—71) Bolley-Birnbaum, „Handbuch der chemischen T.y unter Beteiligung verschiedener Verfasser (Braunschw. 1872— 79) und Muspratt, (Technolog. Chemier (herausg. von B. Kerl und F. Stohmann, 4. Aufl., Braunschw. 1886 fg.). Von Encyklopädien sin zu erwähnen: Dictionnaire technologiqued un »Dictionnaire des arts et manufacturesd von La boulaye (Par. 1852), Cyclopaedias von Rees, He berts Engineers' and mechanics' Encyclopaedia (Lond. 1840), Tomlinsons (Cyclopaedia of usefu urtso, Prechtls «Technolog. Encyklopädies (20 Bde. Stuttg. 1830—55; Supplemente, herausg. von Karmarsch, Bd. 1—4, 1857—65) und (Technisches Wörterbucho von Karmarsch und Heeren (3. Aufl. ergänzt und bearb. von Kick und Gintl, Prag 1876). Ein Sammelwerk, welches zahlreiche Monographien von Gewerben enthält, ist der Neue Schauplatz der Künste und Handwerker (Weim. 1879). Zur Geschichte: Karmarsch, 4 Geschichte der T.v (Münch. 1872). Ein wahrer Überfluß ist vorhanden an technischen Zeitschriften; fast jeder bedeutendere gewerbliche Verein gibt eine solche heraus. Die wichtigsten davon sind: „Bulletin de la société N'encouragement de Pariso, Bulletin de la société industrielle de Mulhouses, Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes v, Bayr. Industrie⸗ und Gewerbeblatto, Dinglers „Polytechnisches Journalo (redigiert von Zeman und Fischer), (Polytechnisches Notizblatts (redigiert von R. Böttger in Frankfurt), „Deutsche Industriezeitunge (redigiert von M. Diezmann in Chemnitz) u. s. w. In England sind die Patentjournale Londonjournal of artso und Repertory of patent inventionso (bis 1862), ferner Mechanics' Magazinen und «Civil enginéers' Journalo besonders hervorzuheben. Dieser Litteratur entspricht die Vermehrung gewerblicher Vereine und Lehranstalten aller Art, von den Gewerbemuseen und techn. Hochschulen an bis zur gewerblichen Fortbildungsschule.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 514Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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