Thiersch (Ludw.), deutscher Historienmaler, geb. 12. April w1825 zu München, jüngster Bruder der beiden vorigen, besuchte einige Zeit die Universität daselbst, widmete sich aber dann der Kunst und machte seine Studien auf der münchener Akademie, erst als Bildhauer unter Schwanthalers, später als Maler unter Julius Schnors und Karl Schorns Leitung. Während eines dreijährigen Aufenthalts in Rom (1849—52) wandte er seine Aufmer tern Meistern, namentlich auch den alten Mosaiken in den Kirchen Roms zu. nach Athen, wo er eine der Kunstschule erhielt Ausschmückung der Kirche sandtschaft betraut wurde. Seit 1855 in seine Heimat zurückgekehrt, folgte er 1856 einem Rufe idnach Wien, wo er den Plafond der griech. Kirche am Fleischmarkt mit Fresken schmückte; 1860—64 führte er zu Petersburg in den Kapellen der Paläste der Großfürsten Michael und Nikolai in stereochromischer Manier umfangreiche Gemälde auf Goldgrund aus, darunter ein Jüngstes Gericht von 16 m Höhe und 11 m Breite. Alle diese Kirchenbilder sind als Versuche 10 betrachten, die traditionelle byzant. Kirchenma erei, ohne Aufopferung ihres typischen Charakters, zu veredeln. Seit 1864 lebt T. als Historienmaler zu München. Von seinen Werken sind noch hervorzuheben: Charon der Seelenführer, der Triumphzug des Bacchus und der Thetis Klage um Achilles, drei olbilder im Besitz des Baron Sina in Wien; ferner die Ikonostasbilder in der Kapelle der Prinzessin Wilhelm von Baden, zwei größere Freskobilder im nördl. Friedhofe seiner Vaterstadt. Von größern Olgemälden sind noch anzuführen: Altarbilder für die prot. Kirchen in Kempten und München und eine Predigt Pauli in Athen, welche in dem Rathause dieser Stadt ihren Platz gefunden hat; ferner: Alarich bei einem Gastmahl in Athen (jetzt in Neuyork). Im J. 1880 erhielt T. den Auftrag, für die neue griech. Kirche in London mehrere Gemälde zu malen, worunter das Olbild Christus als Kinderfreund. Hierauf folgten die lgemälde Sieg Christi über die Macht der Finsternis, Orpheus wird wieder von Eurydice getrennt, und Christus auf dem Leidenswege. Außerdem wurde T. durch verf chiedene Genrebilder aus dem bayr. Gebirge auch in weitern Kreisen bekannt und war als Vorträtmaler sehr thätig.