FeedTholuck (Fried. August Gotttreu)
ReligionBrockhaus 1882

Tholuck (Fried. August Gotttreu), deutscher Theolog, geb. 30. März 1799 zu Breslan, studierte anfangs zu Breslau, dann in Berlin, wo er, von dem Orientalisten Diez als Pflegesohn angenommen, sich zunächst dem Studium der orient. Sprachen zuwandte. Durch den Einfluß der damaligen frommen Kreise Berlins, besonders des Barons von Kottwitz, sowie durch Neanders Einwirkung ward T. zu innigerm Glaubensleben gebracht, wovon Zeugnis ablegen die «Wahre Weihe des Zweiflerso (Berl. 1823; 9. Aufl. unter dem Titel Die Lehre vom Sünder und Versöhnerv», Gotha 1870) und die Auslegung des Briefs an die Römerd (Berl. 1824; 5. Aufl. 1856). T. wurde 1823 zum außerord. Professor der Theologie ernannt und ging dann nach einer wissenschaftlichen Reise durch England und Holland 1826 als ord. Professor nach Halle. Hier vertrat er zwar gegenüber dem Rationalismus die sog. gläubige Richtung; doch sagte ihm auch die starre Orthodoxie nicht zu, und während er der Kritik der biblischen Urkunden und besonders Strauß gegenüber eine durchaus abweisende Haltung einnahm, machte er auf dogmatischem Gebiet erhebliche Zugeständnisse. Von jeher Anhänger der sog. Vermittelungstheologie, gehört T. später mit Entschiedenheit zu den bedeutendsten Vorkämpfern der sog. positiven Union. Seit 1843 Mitglied des magdeburger Konsistoriums, seit 1868 Oberkonsistorialrat, hat T. unermüdlich als Lehrer und Schriftsteller mit Erfolg gewirkt bis zu seinem 10. Juni 1877 erfolgten Tode. Seine dogmatischen Ansichten legte er am klarsten dar in seinem «Litterarischen Anzeiger für christl. Theologie und Wissenschaften überhaupto Halle 1831—49) und in der gegen D. Fr. Strauß gerichteten Glaubwürdigkeit der evang. Geschichter (Hamb. 1837; 2. Aufl. 1838). Unter seinen exegetischen Arbeiten sind zu nennen sein Kommentar zum Evangelium Johannis⸗ (7. Aufl., Gotha 1857) und seine Philol.⸗theol. Auslegung der Bergpredigte (5. Aufl., Gotha 1872), unter seinen historischen die Vorgeschichte des Rationalismuso (Abteil. 1: Das akademische Leben des 17. Jahrh.»„2 Bde., Halle 1853—54; Abteil. 2: «Das kirchliche Leben des 17. Jahrh.», 2 Bde., 1861 -62), die Lebenszeugen der luth. Kirches (Gotha 1859) und die „Geschichte des Rationalismus» (Abteil. 1, Berl. 1865). Von seinen praktisch-erbaulichen Schriften sind hervorzuheben die «Predigten über die Hauptstücke des christl. Glaubens und Lebenso (6. Aufl., 2 Bde., Gotha 1876) und die »Stunden der Andachto (8. Aufl., Gotha 1870). Die Gesamtausgabe seiner „Werken umfaßt 11 Bände (Gotha 1863 — 73). Vgl. Kähler, «August T. Ein Lebensabriße (Halle 1877); Witte, „Das Leben T.s» (Lpz. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 642Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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