Thorium (chem. Zeichen Th; Atomgewicht 232) ist ein einfacher metallischer Körper, der 1828 von Berzelius in der Thorerde aus dem Thorit und Orangit und später von Wöhler in den Mineralien Pyrochlor, Euxenit und Monazit neben Cer, Lanthan und Didym aufgefunden worden ist. Es erscheint als ein schweres dunkelgraues Pulver von 7½ spezifischem Gewicht, das unter dem Polierstahl Metallglanz annimmt und sich überhaupt in seinen Eigenschaften dem Aluminium nähert. Wenn T. an der Luft gelinde erhitzt wird, so bildet sich unter lebhafter Feuererscheinung die Thorerde. im Regierungsbezirk Marienwerder der Provinz Westpreußen, rechts an der Weichsel, über welche eine auf 16 Pfeilern ruhende, 1000 m lange eiserne Gitterbrücke führt, Station der Linien T.⸗Allenstein, T.⸗Ottlotschin-Alexandrowo, T.⸗Marienburg und T.⸗Posen der Preuzischen Staatsbahnen, besteht aus der mit Mauer und Graben umgebenen Altstadt (gegründet 1231) und der Neustadt (1264 gegründet), welche 1454 vereinigt wurden. T. ist Sitz eines Landgerichts, eines Amtsgerichts, eines Hauptzollamts, des Schwurgerichts für vier Kreise, einer Reichsbankstelle und einer Handelskammer und zählt (1885) 23 914, mit dem unmittelbar daranstoßenden Dorfe Mocker 30 786 E., von denen, außer 1200 Israeliten, drei Fünftel deutsche Evangelische, zwei Fünftel, meist kleine Handwerker und Arbeiter, poln. Katholiken sind. Von gottesdienstlichen Gebäuden besitzt die Stadt drei schöne, im 14. Jahrh. erbaute Kirchen, welche jetzt sämtlich den Katholiken zugehören. Die Evangelischen besitzen nur eine Kirche in der Neustadt und ein (geräumiges) Bethaus in der Altstadt. T. hat noch immer einige durch schöne Giebel und innere Anlage beachtenswerte Häuser im althanseatischen Stil. Besonders zeichnet sich das schöne Rathaus aus, das mehrere, durch ausgelegte Arbeit kunstvoll verzierte Thüren hat und in dem sich das wichtige städtische Archiv befindet. Von dem alten, 1454 zerstörten Ordensschlosse steht nur noch ein Turm (der sog. Dansker) mit einem schönen Schwibbogen und ein Teil der äußern Mauer. Die mit neun Thoren versehene Ringmauer gehört größtenteils noch der ältesten Zeit an; der zu ihr gehörige schiefe Turm (15 m hoch, mit einer Abweichung von 1,5 m) ward 1271 erbaut. In der Johanniskirche befindet sich das älteste, von einem Zeitgenossen dorthin gestiftete Bild von Kopernikus; eine Bronzestatue (von Tieck) ward ihm 1853 auf dem altstädtischen Marktplatze errichtet. Von höhern Unterrichtsanstalten bestehen ein 1568 errichtetes, 1855 mit einer Realschule erster Ordnung verbundenes Gymnasium und eine höhere Töchterschule. Die Bewohner Tis betreiben lebhaften Handel, besonders mit Getreide, Holz, Wein, Kolonial⸗, Eisen- und Schnittwaren. Die städtische Industrie liefert landwirtschaftliche Maschinen, Sprit, Tabak, Stärke, Bier, Seife und berühmten Pfefferkuchen. Durch die Stromschiffahrt steht T. mit Polen, Danzig, Stettin und Berlin in Verbindung. Dampfer befahren die Weichsel von Warschau ab bis Danzig, aber nicht regelmäßig und nur als Schlepper für Lastkähne. T. wurde 1231 vom Deutschen Orden gegründet und durch deutsche Einwanderer, besonders aus Westfalen und Sachsen, bevölkert; die Ansiedler erhielten 28. Dez. 1232 das unter dem Namen der Kulmer Handveste bekannte Privilegium. Auf der „Bazarkämpes wurde 1411 zwischen dem Deutschen Orden und den Polen der erste Thorner Friede geschlossen. Nachdem sich die Stadt 1454 vom Deutschen Orden losgesagt und dem Schutze des Königs von Polen übergeben hatte, eroberten und zerstörten die Bürger (6. Febr. das thorner Ordensschloß; den darüber ausgebrochenen Krieg beendete 1466 der zweite Thorner Friede (auf dem Artushofe). Rat und Bürgerschaft bekannten sich 1557 zur luth. Lehre. Von 28. Aug. bis 21. Nov. 1645 fand auf Veranlassung des poln. Königs Wladislaw IV. zu T. das sog. Colloquium charitativum zur Versöhnung der Katholiken, Lutheraner und Reformierten statt, an dem poln. und deutsche Theologen teilnahmen, das aber nur Erbitterung der Gemüter zur Folge hatte. Streitigkeiten, welche 16. Juli 1724 die dasigen Jesuitenschüler mit Schülern des prot. Gymnasiums bei Gelegenheit einer Prozession am Skapulierfest anfingen, verursachten größere Unruhen unter den Einwohnern, wobei die niedere Klasse der Protestanten sich Excesse erlaubte, die von der poln. Regierung nach einem ungesetzmäßigen Verfahren mit der größten Härte bestraft wurden. Der Bürgermeister der Stadt, Der Gottfr. Rösner, wurde nebst neun Bürgern 7. Dez 1724 enthauptet und ihre Güter eingezogen. Vergebens verwendeten sich die Bürgen des Friedens von Oliva, besonders der König von Preußen, zum Besten der recht- und schutzlos dastehenden Evangelischen in der bedrückten Stadt. Nach der zweiten Teilung Polens huldigte T. dem König von Preußen, im Tilsiter Frieden kam es an das Großherzogtum Warschau, durch den Wiener Kongreß wieder an Preußen. In merkantilischer Hinsicht war T., das zum Hansabunde gehörte, im 14. und 15. Jahrh. sehr bedeutend, die erste Stadt Preußens, „die Königin der Weichselv. Als Festung erhielt es erst im 17. Jahrh. Wichtigkeit; doch waren die Festungswerke selbst noch sehr mangelhaft. Erst nach dem Tilsiter Frieden ward die Stadt von den Franzosen mit regelmäßigen Wällen umgeben und nach der zweiten preuß. Besitznahme 1818—24 mit vollständigen Werken als Grenzfestung versehen. Seit 1878 ist T. zu einer Festung ersten Ranges umgebaut; die engern Befestigungen sind abgetragen und in weiterer Entfernung von T. acht detachierte Forts angelegt. Angriffe und Belagerungen hat T. 1629, 1655, 1658, 1703 und 1813 erfahren. Vgl. Zernecke, «Thornische Chronikap (Thorn 1711 und 1727); Wernicke, «Geschichte T.Sv(Thorn 1842); Hoburg, „Die Belagerungen der Stadt und Festung T.» (Thorn 1850). — Der Kreis Thorn zählt auf 1134 qlm 89 107 E.