Turfan oder Ostturkestan, auch Ostdschagatai, Hohe Tatarei und häufig, aber irrtümlich Hohe oder Kleine Bucharei genannt, umfaßt das Hochland, welches im S. durch den Kuen-lün (s. d.) von Tibet, im W. durch den Bolor-Tagh oder richtiger durch das Pamir-Plateau von Westturkestan (s. Turkestan), im N. durch das Himmelsgebirge oder den Thianschan (s. d.) von der Dsongarei (. d.) getrennt ist und im O. in die große Wüste Gobi übergeht. Das Land hat ein Areal von 1118 713 qkm, die Bevölkerung wird jetzt nur noch auf 580000 geschätzt. Die Chinesen, welchen T. seit 1758 durch Überwindung der Dsongaren unterworfen ward, nennen dasselbe Thian-schan-Nanlu, d.i. Statthalterschaft im Süden des Thian⸗-schan, im Gegensatz von Thian-schan-Pelu, der im Norden dieses Gebirges gelegenen Statthalterschaft Ili, d. i. der Dsongarei, Auf drei Seiten von mächtigen Gebirgen eingeschlossen, bildet das Innere T.S eine Hochebene von 1000 bis 1500 m mittlerer Höhe. Dasselbe ist das Becken des Tarim, welcher aus der Vereinigung des Kaschgar⸗, Jarkand- und Khotanstroms entsteht, gegen Osten fließt und nach einem Laufe von 2050 km und nachdem er den See Kara-Buran passiert hat, in den sumpfigen Steppensee Lob mündet. Die Ebene des Tarim ist großenteils für Anbau und Viehweiden untauglich, wüstenartig. Dagegen ist das Land am Gebirgssaume fruchtbar und gut angebaut. Das Klima gestattet den Anbau der meisten südeurop. Getreidearten, Garten- und Baumfrüchte, auch der Baumwolle und Maulbeerhäume zur Seidenzucht. Alle Haustiere sind im überfluß vorhanden. Auf den Bergen und an den Sümpfen gibt es Bären, Wölfe, Schakale, Luchse, Hirsche, in der Wüste Kum ⸗Tagh, östlich vom Lob-Nor, wilde Kamele. Gold „Kupfer und Eisen wird weniger gewonnen als Salmiak, Salpeter, Schwefel und Asbest. Die Einwohner sind, abgesehen von den nomadisierenden Kirgisen und Mongolen und gelegentlichen Chinesen oder Mandschu, Mohammedaner pers. Brsprungs (Tadschiks oder Sarten), Türkenstämme, Usbeken und Uiguren. Außer dem Feldbau, der Viehzucht und Jagd bildet der Handel eine Hauptbeschäftigung der Bevölkerung, da T. ein wichtiges Passageland des Karawanenverkehrs zwischen China, Tibet, Kaschmir, Westturkestan ist. Insbesondere wichtig ist dieser Handel in neuester Zeit für Rußland geworden. bildete den Hauptteil des von Mohammed Jakub begründeten Kaschgar (s. d.); nach dessen Tode benutzte die chines. Regierung' die eingetretene Anarchie zur Wiedereroberung des Landes, die A Jan. 1878 vollendet wurde. Die wichtigsten Städte sind Aksu (s. d.), Kaschgar (s. d.), Jarkend (. d.) und Khotan (s. d.). Vgl. Walichanow in Ermans «Archiv für wissenschaftliche Kunde von Rußland (Bd. 21 u. 22, Berl. 1862—63); Przewalstij, „Reise an den Lob-Nor und Altyn-Tag⸗ (deutsch, Gotha 1878).