FeedUmlaut
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Umlaut nennt man in der deutschen Grammatik die Wandlung eines a in à (e), o in 5, u in au in äu, z. B. Hand — Hände, glauben — gläubig u. s. w. Aber auch in vielen Fällen, wo wir in der heutigen Sprache keinen derartigen Wechsel mehr beobachten können, beruht ein ä, 6 u. s. w. auf U., z. B. das ü in «Thürr, althochdeutsch turi. Die Geschichte der deutschen Sprache läßt auch noch das Gesetz erkennen, nach welchem die Verwandlungen des U. eintreten: dieselben können nur da stattfinden, wo die folgende Silbe ein i oder z enthielt. Während im Gotischen diese Laute noch gar nicht auf den Vokal der vorhergehenden Silbe wirken, verwandeln sie im Althochdeutschen ein a in e, z. B. gotisch harjis, althochdeutsch hari, daraus heri (Herr); vallu lich falle), aber vellis (du fällst), in diesem Falle hat unsere jetzige Orthographie teils das alte e bewahrt, teils à eintreten lassen. Im Mittelhochdeutschen greift der U. weiter, u wird zu u, o zu 6, à zu , d. h. ä, o zu , d. h. , u zu in, z. B. zun, Zaun, ziunen (althochdeutsch zünjan), zäunen, uo zu üe, ou zu öu, von denen in unserer jetzigen Sprache mehrere zusammengefallen sind. Auch die übrigen german. Sprachen, die nordischen wie das Angelsächsische (Englische) zeigen Umlautserscheinungen; das Nordische hat außer dem eben behandelten i-Umlaut auch einen durch u bewirkten (A.Umlaut), der z. B. ein a der vorhergehenden Silbe in einen o-artigen, oft mit ö bezeichneten Vokal verwandelt, altnord. taka (nehmen), töknm (wir nehmen). Überhaupt sind gleichartige Erscheinungen, Wirkungen eines i oder j, eines u oder v auf den Vokal der vorhergehenden Silbe in vielen Sprachen wahrzunehmen, so steht z. B. griechisch phainô (ich zeige) für ursprünglich phanjo, franz. gloire für lat. gloria, wo ai, oi durch Eindringen des i in die erste Silbe entstanden sind. Der grammatische Kunstausdruck für dieses Ubergreifen von i und u ist Epenthese. Da wir im heutigen Deutsch die Ursache des U. nicht mehr fühlen, empfinden wir ihn in vielen Fällen als ein notwendiges Mittel der Formbildung, z. B. Acker — Acker, Mutter — Mütter, als ein den Plural bildendes Element, was er ursprünglich nicht ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 15Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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