Vokalharmonie ist im allgemeinen die Bezeichnung für die übereinstimmung der Vokale zweier oder mehrerer aufeinander folgenden Silben in Betreff der Klangfarbe. Die V. kann entweder derart beschaffen sein, daß der Vokal einer Silbe nach dem Vokal der folgenden Silbe sich richtet (sog. Umlaut), oder daß der Vokal einer Silbe in seinem Wesen nach dem Vokal der vorangehenden Silbe bestimmt wird (V. im engern Sinne). Der Umlaut kommt namentlich in den indogerman. Sprachen häufig vor und hier besonders im Zend, in den german. Sprachen und im Keltischen. Derselbe wird durch die Vokale i und u bewirkt, welche ursprünglich als Zusatzvokale dem Vokal der vorhergehenden Silbe sich anschließen. Die V. sindet sich im größten Umfange in den uralischen und altaischen Sprachen. Dieselbe besteht darin, daß der Vokal eines jeden Suffixes von dem Vokal der vorangehenden Wurzel oder des vorangehenden Stammes bestimmt wird, oder von ihm abhängig ist. Die Vokale zerfallen innerhalb dieser Sprachen in zwei Reihen, nämlich harte: a, o, u, y, und weiche: à, 6, ü, i. Auf einen harten Vokal kann nur wiederum ein harter, auf einen weichen Vokal nur ein weicher folgen. So sagt man im Jakutischen acha-lar (Väter), aber äsä-lär (Bären); ocholor (Kinder), aber dörö-lör (Nasenriemen). Ebenso heißt es türkisch at-lar (Pferde), aber äw-lär (Häuser); at-lar-dan (von den Pferden), aber äw-lärdän (von den Häusern).