Unendlich ist niemals ein Prädikat des unmittelbaren Wahrnehmungsinhalts, welcher vielmehr stets eine 4 Größe bildet, sondern vielmehr ein Merkmal der aus konstruktiver Phantasie entstehenden Begriffe, welche deshalb niemals in der Form von Anschauungen realisiert werden können. Der eigentliche Sinn dieses Merkmals ist aber das Bewußtsein der stetigen Wiederholbarkeit gewisser sinnlicher Phantasiethätigkeiten. So gilt uns der Raum als unendlich, weil wir jede endliche Raumröße noch wieder als im Raume befindlich vortellen können, resp. müssen. Der Begriff des U. ist daher nur der Versuch, diese Prozesse der Phantasiethätigkeit als beendigt zu denken: das U. ist ein Grenzbegriff für die Fortsetzung einer sich stets notwendig wiederholenden Khalb die Das Unendlich Große (S) ist deshalb diejenige Größe, zu welcher, sobald man sie bestimmt vorstellen will, noch immer etwas hinzugefügt werden muß, das Unendlich Kleine diejenige Größe, von welcher, sobald man sie bestimmt denken will, noch immer etwas hinweggedacht werden muß. Auf beides stößt man in der Entwickelung mathem. Verhältnisse sehr häufig, und die Rechnung namentlich mit unendlich kleinen Größen ist seit Leibniz und Newtons Entdeckung der Differential- und Integralrechnung einer der bedeutendsten Teile der höhern Analysis (s. d.). Aber auch die Philosophie, speziell die Naturphilosophie, hat sich zu allen Zeiten mit den daraus erwachsenden, teilweise sehr verwickelten Problemen lebhaft beschäftigt: seit Zenos (s. d.) Beweisen gegen die Realität der Bewegung bis zu Kants Antinomien (s. d.) bildet teils die Frage nach der Unendlichkeit des Raums und der Zeit, teils diejenige nach der unendlichen Teilbarkeit der Materie ein stehendes Problem derselben. Außerdem aber hat das Wort U. in der neuern Philosophie noch eine andere Bedeutung angenommen. Da nämlich alle Dinge der empirischen Wirklichkeit endliche Größen und als solche wiederum durch andere endliche Ursachen bedingt sind, so versteht man unter dem U. auch im Gegensatze dazu das höchste metaphysische Prinzip, das Absolute oder das KUnbedingter, welches seinerseits alles Endliche bedingt und bestimmt. In diesem Sinne hat dann namentlich Hegel das «wahre U.» von dem eschlechten U. unterschieden, indem er unter dem letztern jene An⸗ - und Endlosigkeit in räumlichen und zeitlichen Verhältnissen, unter jenem aber das absolute Prin zip wertand, von dem die endlose Reihe der end lichen Dinge in ihrer steten Bedingtheit nur die Erscheinung und Realisation bilde. Unfallstatistik. In der amtlichen Statistik der Sterbefälle der meisten Länder findet sich schon seit längerer Zeit eine Rubrik für die durch Gewalt und Verunglückung herbeigeführten Todesfälle. Für die schon in den sechziger Jahren auftauchenden Pläne zur Organisation einer Arbeiter-Unfallversicherung konnten indes diese Daten, weil sie eben nur die Unfälle mit tödlichem Ausgange, diese aber in allen Ständen und Altersklassen umfaßten, nicht als brauchbar betrachtet werden, und so erwarb sich E. Engel als Direktor des preußischen Statistischen Bureau ein großes Verdienst, als er 1868 in Preußen eine umfassende eigentliche U. einführte, die mittels besonderer Zählkarten aufgenommen wurde und detaillierte Angaben über alle wesentlichen Umstände des Unfalls, bei den nichttödlichen namentlich auch über die Frage der dauernden oder vorübergehenden Erwerbsunfähigkeit lieferte. Seit 1874 sind in mehrern Bänden des Quellenwerks «Preußische Statistiko (zuerst im 28. Bde.) Veröffentlichungen auf Grund dieser Erhebungen erfolgt. Ein reiches, unmittelbar mit der Arbeiterversicherung zusammenhängendes Material ist ferner für den Kreis der Bergwerksarbeiter schon seit einer langen Reihe von Jahren durch die Knappschaftskassen geliefert und in der „Zeitschrift für Bergwerks⸗, Hütten⸗ und Salinenweseno veröffentlicht worden. Auch aus andern Staaten, z. B. aus Osterreich, liegen solche Publikationen vor. Ein anderes bereits weit ausgebildetes Spezialgebiet der U. bieten die Eisenbahnen dar, und namentlich enthält die im Reichseisenbahnamt bearbeitete Statistik der im Betrieb befindlichen Eisenbahnen Deutschlandso ausführliche Angaben über diesen Gegenstand. Auch die Unfallversicherungsbank und die Unfall⸗ und Invaliditätsversicherungs-Genossenschaft in Leipzig haben statistische Übersichten nach ihren Erfahrungen mitgeteilt. Eine Art Probestatistik, die sich auf alle zur Unfallversicherung heranzuziehenden Industriezweige erstreckte, wurde bei der Vorbereitung des Unfallversicherungsgesetzes im ganzen Reich in der Zeit vom 1. Aug. bis 30. Nov. 1881 aufgenommen. Auf 1 615253 beobachtete männliche Arbeiter kamen in diesen vier Monaten 651 Unfälle mit tödlichem Ausgang, 532 Fälle mit nachfolgender dauernder, gänzlicher oder teilweiser Arbeitsunfaähigkeit, und 27644 Fälle, die nur eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit verursachten. Bei 342295 Arbeiterinnen waren die entsprechenden Ziffern 11, 28 und 708. Der verhältnismäßig bei weitem größte Teil der Unfälle kommt auf die Berg⸗ und Hüttenwerke und trifft hier fast ausschließlich Männer: bei einer Gesamtzahl von 436 502 Arbeitern entsielen auf die drei angeführten Kategorien bezw. 306, 181 und 12 755 Verunglückungen und Verletzungen, während von 13947 Arbeiterinnen nur Utödlich, 1 mit dauernder und 54 mit vorübergehender Arbeitsunfähigkeit verunglückten. Als sehr gefährlich erweist sich auch der Betrieb der Steinbrüche, die Mühlenindustrie und das Baugewerbe. Die U. ergibt, wie alle statistischen Massenbeobachtungen, eine gewisse Regelmäßigkeit in den Zahlenverhältnissen der beobachteten Gruppen von Thatsachen, was eben die Voraussetzung jedes rationellen Versicherungswesens bildet. Eine ganz neue Periode für die U. beginnt mit der Einführung der Arbeiterversicherung in Deutschland, die bald ein ebenso reiches wie zuverlässiges Material bieten wird, das sich allerdings nur auf die in der Berufsthätigkeit der versicherungspflichtigen Gewerbe erfolgten Unfälle bezieht. Vgl. Mucke, Die tödlichen Verunglückungen im Königreich Preußen⸗(Berl. 1881).