FeedUrmiä oder Urümijah
ErdkundeBrockhaus 1882

Urmiä oder Urümijah, auch Derja-Schahi d. h. Königssee, See von Maragha oder See von Tebris genannt, ein berühmter See in der pers. Provinz Aserbeidschän, mit seinem Wasserspiegel 1300 m über dem Meere, südwestlich von Tebris gelegen, ist von Norden gegen Süden 126 km lang, 15 — 48 km breit und durch einige weit vorspringende gebirgige Halbinseln unregelmäßig gestaltet. Der See nimmt eine Fläche von 3840 qkm ein, umschließt sechs größere Inseln (im Süden), außerdem an 50 kleinere Eilande und Klippen und hat eine Tiefe von 4—7,8 m, ja bis 14,6 m. Wie der nur durch niedriges Hügelland von ihm geschiedene, nordwestlich in Türkisch-Armenien gelegene Wansee zeichnet sich auch der U. durch Salzreichtum aus, was sich schon weithin durch den Geruch kenntlich macht. Fische oder andere Tiere können in diesem Wasser nicht leben. Abfluß hat der See nicht, dagegen nimmt er auf allen Seiten lüsse und Bäche auf, die meisten und größten am Üdende. Fast überall ist der See von einem litzernd weißen Salzrande umgeben. Viele Stellen eines Ufers überschwemmt er bei Hochwasser und dildet dann salzige Sümpfe, die man ausbeutet. In einer obstreichen und stark bevölkerten Gegend, 9,25 Em vom westl. Ufer des Sees, liegt die Stadt Urmiä oder Urümijah, im 9. und 10. Jahrh. auch Urmija, die schönste in ganz Aserbeidschän, der Sitz eines Gouverneurs, vom Schaher-Tschai und vielen künstlichen Wasseradern durchflossen und ganz in Obstgärten verborgen. Sie hat fast 6, Km Umfang, eine Ringmauer von Backsteinen, breite reinliche Straßen, zahlreiche hübsche Pläße und reiche Obst⸗ und Lustgärten. Von ihren 25000 E. sind 22 000 Mohammedaner, 2000 Juden und 605 nestorianische oder chaldäische Christen (Caldani), die einen eigenen Bischof haben. Es befindet sich in der Stadt eine nordamerik. Mission, eine Miisionsschule und eine Missionsbuchdruckerei. Der Hauptsitz dieser Mission ist das 7 km südwestlich und 325 m über der Stadt gelegene Dorf Seir, wo die Wohnungen der Missionare mit allem Comfort versehen sind. In alter Zeit hatte das jetzige U. den Namen Thabarma (auch Thebarmae, Thebarmais) und wurde von den Persern als Geburtsstätte Zoroasters hochgeehrt, 621 aber nebit seinen Feuertempeln von Kaiser Heraklius zerstört. Der See hieß bei den Alten Lacus Matianus oder Mantianus, oder vom armen. Kapoit-dzow (d. h. blaues Meer) auch Kapanta (gewöhnlich unrichtig Spauta geschrieben), bei den Arabern See von Maragah oder Marägha nach der 37 km von seinem östl. Ufer gelegenen gleichnamigen Stadt mit 20000 E., heißen Quellen und Glashütten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 73Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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