FeedValentiniannus I. (Flavius)
GeschichteBrockhaus 1882

Valentiniannus I. (Flavius), röm. Kaiser, geb. 321 n. Chr. zu Cibalä in Pannonien, wurde 26. Febr. 364 zu Nicäa vom Heere zum Nachfolger des Kaisers Jovianus erhoben, übernahm jedoch für sich nur die Regierung der westl. Reichshälfte, während er den Osten seinem Bruder Valens (s. d.) übergab. V. war ein in der innern Verwaltung wie nach außen tüchtiger Kaiser, in Religionssachen bei strenger Katholizität in ganz hervorragender Weise tolerant, für die Pflege der zerrütteten städtischen Verwaltungen besorgt, ein gerechter Herrscher, wenn auch oft von seinem reizbaren Temperament zu Grausamkeiten verleitet. In Britannien wurde unter ihm durch den Grafen Theodosius, den Vater des nachmaligen Kaisers, die röm. Herrschaft wieder bis zum Wall des Antoninus hergestellt (3667— 370). Gallien säuberte V. selbst seit 366 von den Alamannen. Er verfolgte dieselben über den Rhein, schlug sie 368 bei Solicinium (Sulz im Neckarthale), sicherte darauf die Rheingrenze durch neue Befestigungswerke und erzielte 374 einen Frieden. In Afrika schlug ihm Theodosius seit 373 den Aufstand des Maurenfürsten Firmus nieder. An der Donau kämpfte V. ebensalls mit Glück gegen die Quaden, starb aber zu Bregetio (bei Komorn) 17. Nov. 375 an einem Blutsturz während der Unterhandlung mit einer Gesandtschaft der Quaden. Sein Nachfolger war sein Sohn erster Ehe Gratianus, der auf Verlangen des Heeres seinen vierjährigen Halbbruder Valentinianus II., Sohn der kunen u als Kaiser für Italien und Illyrien anerkennen mußte. Der letztere blieb in Italien fortwährend in seiner Würde geschützt, indem nach Gratians Untergange (383) Kaiser Theodosius sich Rari annahm und ihm, als 387 der Usurpator kaximus ihn aus Italien vertrieben hatte, 388 mit siegreichen Waffen die Herrschaft über das Abendland wiedergewann. Jedoch am 15. Mai 392 wurde er von seinem eigenen Feldherrn Arbogast ermordet, als er sich dessen Anmaßungen nicht fügen wollte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 103Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6