FeedVarioloiden
HeilkundeBrockhaus 1882

Varioloiden (lat. Variölois) stellen eine mildere Form der echten Pocken (s. d.) dar, sind aber sonst mit diesen identisch. Durch Übertragung der V. auf einen Gesunden können schwere Pocken, durch Ansteckung mit den echten Pocken nur V. entstehen. Letzteres ist vorzugsweise der Fall bei den Geimpften, woher es kommt, daß die Pocken nicht mehr so verheerend auftreten wie früher. Während früher von den an den wahren Pocken Erkrankten der dritte Teil, selbst die Hälfte starben, beträgt die Sterblichkeit an V. nur 4 bis 5 Proz. Schon die dem Ausbruche des Pockenausschlags vorausgehenden Erscheinungen sind bei den V. milder als bei den echten Pocken. Das Fieber ist geringer und von kürzerer Dauer; gewöhnlich schon am dritten Fiebertage zeigt sich der Ausschlag. Nach 24 bis 36 Stunden sind die Pockenbläschen ausgebildet, womit das Fieber sein Ende erreicht. Bei den V. zerstören die Pusteln die Haut nicht in dem Grade wie bei den echten Pocken. Die Pusteln fließen viel seltener zusammen, dringen nicht so tief in die Haut ein und heilen schneller (in drei bis vier Tagen) und ohne Hinterlassung von Narben, auch ohne Fieber. Die Behandlung erfordert sorgfältiges diätet. Verhalten, Bäder, Waschungen und antifebrile Heilmittel.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 119Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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