FeedVeit (Moritz)
HeilkundeBrockhaus 1882

Veit (Moritz), verdienter deutscher Buchhändler, wurde 12. Sept. 1808 zu Berlin von jüd. Eltern thalschen Gymnasium daselbst und widmete sich dann auf der berliner Universität philol., histor. und philos. Studien. Durch die Ereignisse des J. 1830 ward er auch der Politik zugeführt. Gegen Ende 1833 errichtete er mit seinem Studiengenossen Joseph Lehfeldt unter der Firma Veit u. Comp. eine Verlagsbuchhandlung zu Berlin, deren Grundlage der von ihm angekaufte Boikesche Verlag bildete. Das neue Etablissement nahm rasch einen ungewöhnlichen Aufschwung und erhob sich bald zu einem der angesehensten Deutschlands. Außer [den Werken Leop. Schefers, dem von V. selbst redigierten Briefwechsel Schillers mit Körnerv, der Gesamtausgabe der Werke Fichtes weist der Verlagskatalog eine lange Reihe bedeutender wissenschaftlicher, besonders hist. und philol. Werke auf, von Böckh, Ranke, Droysen und andern Gelehrten ersten Ranges, wie Dove, Savigny, Werder u. s. w. Auch Joh. Müllers berühmte »Zeitschrift für Anatomie und Physiologien, A. Schmidts »Zeitschrift für Geschichtswissenschafto und das »Magazin für die Litteratur des Auslandeso (1832—63 bei Veit u. Comp., 1864 —78 bei Dümmler in Berlin, von 1879 ab bei W. Friedrich in Leipzig) erschienen im Veitschen Verlag. Mit Vorliebe wandte er sich der jüd. Litteratur zu, Werke von Zunz, Sachs u. a. erschienen bei ihm. Nach Lehfeldts Tode trat V. 1858 seine Verlagshandlung an Th. Einhorn in Leipzig ab; seit 2. Jan. 1876 befindet sich dieselbe in dem Besitz von H. Credner in Leipzig, welcher das Geschäft unter der bisherigen Firma fortführt. V. starb 5. Febr. 1864 zu Berlin. Im Börsenverein der Deutschen Buchhändler hatte er seit 1853 erst als Stellvertreter des Vorsitzenden, besonders aber während der J. 1855 — 61 als Vorsigender eine einflußreiche und nachhaltige Thätigkeit entfaltet. Namentlich erwarb er sich auf dem rechtlichen Gebiete, in den Fragen über Urheberrecht, Verlagsrecht und Preßpolizei, anerkannte Verdienste. An dem Entwurfe eines deutschen Nachdruckgesetzes, welcher 1855—57 von dem Börsenverein bearbeitet wurde, hatte V. den wesentlichsten Anteil. Auch gehörte V. dem preuß. litterarischen Sachverständigenverein an, dessen Gutachten in Nachdrucksangelegenheiten den preuß. Gerichtshöfen maßgebend sind. Von der Stadt Berlin 1848 in die Deutsche Nationalversammlung gesandt, trat er hier zu den Führern der altliberalen Partei (Gothanern) in nähere Beziehungen. Diese polit. Haltung, die er auch als Abgeordneter für Trier 1851 -52 in der preuß. Ersten Kammer, dann 1858—61 als Vertreter Berlins im Abgeordnetenhause bekundete, war in der Hauptsache die Veranlassung, daß er 1861 in seiner Vaterstadt nicht wiedergewählt wurde. V. war ein Mann von echt danlicher Gesinnung, ungewöhnlicher wissenschaftlicher Bildung und ausgebreiteten Kenntnissen. Von seinen eigenen litterarischen Arbeiten sind, außer verschiedenen kleinern Schriften über polit. Fragen, Nachdruck u. s. w., besonders seine Studien Über Saint-Simon und der Saint-Simonismus » (Lpz. 1834), „Der Entwurf einer Verordnung über die Verhältnisse der Wal in Preußeno 2 1847) zu nennen. Im Mai 1868 ward B.s Bildnis (von Philipp Veit) den Bildnissen der verdientesten deutschen Buchhändler in der Deutschen Buchhändlerbörse zu Leipzig zugesellt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 138Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Heilkunde 6