FeedVinet (Alexander Rudolf)
ReligionBrockhaus 1882

Vinet (Alexander Rudolf), prot. Theolog und franz. Litterarhistoriker, geb. 17. Juni 1797 zu Duchy im Waadtland, besuchte die Akademie zu Lausanne, wurde 1817als Lehrer der franz. Sprache und Litteratur an die öffentlichen Anstalten in Basel berufen, 1819 in den geistlichen Stand eineweiht und in demselben Jahre Professor der ranz. Litteratur an der Universität. Von Basel aus beteiligte er sich lebhaft an der in Waadt, Genf und einigen andern Kantonen der Schweiz im Anfang der zwanziger Jahre sich ausbreitenden methodistisch-religiösen, später sog. freikirchlichen Bewegung durch eine Reihe von Schriften, Zeitungsartikeln und Flugblättern, worunter besonders sein Mémoire en fareur de la libertéò des culteso (1826; deutsch von Volkmann 1843) großen Ruf erlangte, indem er, obwohl selbst auf streng orthodoxem Standpunkt, entschieden das Prinzip der Religionsfreiheit vertrat. Im J. 1837 als Professor der praktischen Theologie nach Lausanne berufen, beförderte er die Gründung und Organisation der sog. freien Kirche, wurde infolge dessen bei der Erneuerung der Akademie 1846 in Lausanne nicht wiedergewählt und starb 4. Mai 1847 zu Clarens am Genfersee. Von seinen zahlreichen theol. Schriften sind noch zu nennen: Discours sur quelques sujets religieuxo (5. Aufl., Par. 1853; deutsch von Bonin, 1847), Essai sur la manifestation des convictions religieuseso (2. Aufl., Par. 1858), Théologie pastoraler (2. Aufl., Par. 1854), Histoire de la prédication parmi les réformés de Frances (Par. 1860). Von seinen litterarhistorischen sind hervorzuheben: Chrestomathie frangaises (7. Aufl., Par. 1856), «UHistoire de la littérature francaise au 18° siècles (2 Bde., Par. 1851), Etudes sur la littérature française au 19 siècle (2. Aufl., 3 Bde., Par. 1857), „Sur la séparation de P'église de PEtate (Par. 1842; deutsch, Heidelb. 1845), Etudes évangeliques⸗ (2. Aufl., Par. 1861; deutsch, Zwickau 1863), Blaise Pascalo (2. Aufl. 1856), Homilétiquep (2. Aufl. 1873; deutsch, Bas. 1857). Vgl. Astié, Esprit d'Alexandre Vo (2 Bde., Genf 1861), sowie die biographischen Schriften von Scherer (Par. 1853), Rambert (3. Aufl., Par. 1876), Chavannes (Leid. 9— und Crammer (Leid. 1883). BVineta, d. h. urbs Venetorum (Wendenstadt), auch Julin oder Jum ne genannt, einst berühmter Centralpunkt des slaw. Handels an der Ostseeküste, lag auf der heutigen Insel Wollin (s. d.) in der Odermündung. Seine größte Blüte entfaltete V. im 10. und 11. Jahrh., wie westeurop. und altarab. dort gefundene Münzen beweisen. Neben der Handelsstadt setzte sich eine Kolonie skandinav. Vikinger fest auf der sog. Jomsburg, als deren Begründer der dän. Held Palnatoke aufgeführt wird. Diese Jomsdikinger, von denen eine isländ. Saga berichtet, machten sich im ganzen Norden gefürchtet, bis König Magnus von Norwegen und Dänemark 1043 die Jomsburg zerstörte. Dagegen blühte die Handelsstadt fort, und gegen Ende des 11. Jahrh. nennt Adam von Bremen V. die größte aller Städte Europas. Der Apostel Pommerns, Bischof Otto von Bamberg, gründete hier 1125 das erste Bistum, das 1180 nach Kammin verlegt wurde. Endlich in dem Kriege zwischen dem dän. König Knud VI. und Herzog Bogislaw von Pommern 1184 ward die Stadt von den Dänen niedergebrannt und zerstört. Später entstand die Sage, daß V. von den Wellen verschlungen sei, indem man die bei Damerow auf der Insel Usedom unter dem Wasser liegenden Granitblöcke, ein natürliches freigespültes Steinerippe, für die Trümmer V.s ansah. Erst die orschungen neuerer Zeit, insbesondere Virchows und Friedels, haben die Identität zwischen V. und der heutigen Stadt Wollin festgestellt. Die Jomsburg wird auf dem sog. Silberberge gelegen haben, während die Stadt V. in der Niederung auf Pfählen gebaut war. BVinkoveze, Marktflecken und Vorort des bisberigen Broder Kreises in der frühern kroat.Alaw. Militärgrenze an der Bosut, Station der Linie Brod der Ungarischen Staatsbahnen, Sitz eines Obergymnasiums und mehrerer Amter. Die 5277 serb. und deutschen E. beschäftigen sich mit erzeugung und Seidenzucht. Binkulieren (vom lat. vineulum, das Band), binden, verpflichten. Vinkulierung von Papieren, die Einschreibung derselben auf einen bestimmten Namen, dessen Träger dann allein als rechtmäßiger Eigentümer der Papiere gilt; geschieht 3. B. bei als Kaution hinterlegten Wertpapieren. [Vinkulation, Verpflichtung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 278Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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