Vis (lat.), die Kraft, Macht, Gewalt; Vis armäta, die bewaffnete Macht; vis attractiva, die Anziehungskraft; vis comica, die Kraft der Komik; vis contractllis, die Zusammenziehungskraft; vis inertiae, das Beharrungsvermögen (s. d.); vis legis, Gesetzeskraft; vis major, höhere Gewalt (s. d.); vis motrix, die bewegende Kraft; vis probandi, Beweiskraft. Visa (frz.), soviel wie Visum (s. d.). Vis-à-vis (rz.), gegenüber; auch das Gegenüber (Wohnung, Person u. s. w.. Viscacha, soviel wie Chinchilla (s. d. Vischer, eine von der Mitte des 15. bis in die erste Hälfte des 16. Jahrh. zu Nürnberg blühende Künstlerfamilie, die mit Hermann V. dem Altern, der 1453 in Nürnberg das Bürger⸗ und Meisterrecht erhielt, beginnt. Von ihm rührt das reich mit figürlichem und ornamentalem Schmuck ausgestattete Taufgefäß in der Pfarrkirche zu Wittenberg (1457) her. Er starb 1487. Peter V. der Altere, Sohn Hermanns, um 1455 geboren, übernahm 1487 die väterliche Gießhütte. Zu seinen ersten Arbeiten gehört die frei auf einem Löwen stehende Statue des Grafen Otto IV. von Henneberg in der Stiftskirche zu Römhild, eine geharnischte Figur in Lebensgröße, vermutlich 1493 aufgestellt. Im letzten Jahrzehnt des 15. Jahrh. führte V. auch die Grabdenkmäler für verschiedene Domherren und drei Bischöfe von Bamberg für den dortigen Dom aus. Der Ruhm seiner Arbeiten verschaffte dem Künstler Aufträge aus den fernsten Gegenden, aus Breslau (Bischof Johann IV.), Krakau, Meißen. Eine vollständige Tumba mit fast runder Figur und großem Baldachin über architektonischem Aufbau und reichstem figürlichen, heraldischen und anderm Schmucke bildet das Grabmal des Erzbischofs Ernst im Dom zu Magdeburg (1497), noch ganz im got. Stile gehalten. Von ähnlicher Ausführung, nur kleiner und einfacher, ist das Grabmal des Grafen Hermann von Henneberg und seiner Gemahlin Elisabeth von Brandenburg in der Stiftskirche zu Römhild, desgleichen das des Grafen Eitel Friedrich II. von Hohenzollern und seiner Gemahlin Magdalena von Brandenburg, in der Stadtkirche zu Hechingen. Auch für das Grabdenkmal Kaiser Maximilians I. in Innsbruck modellierte und goß er zwei Figuren Gönig Arthur und Theodorich). Die bedeutendste Leistung V.s ist das tempelförmige Gehäuse um den silbernen Sarkophag des heil. Sebald in der Kirche dieses Namens zu Nürnberg, an welchem er mit seinen fünf Söhnen von 1507 an zwölf Jahre arbeitete. Dieses Denkmal besteht aus einem Unterbau, auf welchem, etwa in Gesichtshöhe, der silberne Sarg ruht, und einem darüber errichteten, von zwölf Pfeilern getragenen, sehr reich durchgebildeten, jedoch bereits mit zahlreichen Motiven der Renaissance untermischten Baldachin von 2,57m Länge, 1,37 m Breite und 4/½m Höhe. Der Unterbau ist mit Reliefs aus dem Leben des Heiligen, der Baldachin mit vielen biblischen, mytholog., allegorischen und phantastischen Figuren geschmückt. Auch der Künstler hat sich in seiner Tracht, wie er in der Gießhütte umzugehen pflegte, angebracht. Ein noch größeres Werk war ein von der Familie Fugger bestelltes, von V. jedoch nicht mehr vollendetes Gitter, das später im Rathause zu Nürnberg aufgestellt und 1806 als altes Metall verkauft wurde. Andere Arbeiten V.s sind ein Cpitaph der Frau Margareta Tucher im Dom zu Regensburg, ein Cpitaph in der Egidientirche zu Nürnberg, die Gedächtnistafel des Propstes Anton Kneß in der Lorenzkirche daselbst u. v. a. Er starb 1529. Unter seinen Söhnen zeichneten sich Hermann und Peter V. der Jüngere aus. Dem letztern scheinen namentlich ein Epitaph des Kardinals Albrecht, Erzbischofs von Mainz, in der Stiftskirche zu Aschaffenburg, das Grabmal des Kurfürsten Friedrich des Weisen in der Schloßkirche zu Wittenberg, ein Bogenschütz im Rathause zu Nürnberg anzugehören. Von Interesse ist die Frage, wer die Modelle zu den Vischerschen Arbeiten gefertigt. Nach vielfacher Behandlung derselben hat man sich neuerlich dahin entschieden, daß der ältere Peter B. sich anfangs der nürnberger Vildschnitzer bediente; doch it es erwiesen, daß seine Söhne, von welchen Hermann in Italien war, wenigstens zum Teil eine künstlerische Ausbildung erhalten hatten und selbst Modelle ferligten. Schon beim Sebaldus-Grab scheint dieses in umfassendem Maße der Fall gewesen zu sein. Vgl. Bergan, «Peter V. und seine Söhner (Opz. 1878); «Peter V.s Werker (photographische Publikationen mit Tert von Lübke, Nürnb. 1875 fg.).