FeedWagner (Joh. Martin von)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Wagner (Joh. Martin von), namhafter Bildhauer, geb. 24. Juni 1777 in Würzburg als Sohn des dortigen Hofbildhauers Johann Peter Alexander W. (geb. 1730 zu Obertheres in Franken, gest. zu Würzburg 1809), wendete sich 1791 von den Universitätsstudien der Malerei und Skulptur zu und gewann 1802 an der wiener Akademie den ersten Preis im histor. Zeichnen. Nach einem kurzen In diene 3 in Paris lebte er von 1805 an in Rom. In diese Zeit fallen seine Gemälde: der Rat der griech. Helden vor Troja und Orpheus in der Unterwelt; auch setzte er seine plastischen Studien fort. 1810 von dem Kronprinzen Ludwig von Bayern mit dem Ankauf von Antiken beauftragt, erwarb er die berühmten äginetischen Skulpturen für München. Er half auch Thorwaldsen bei der Restauration derselben. Später erlangte W. für die Glyptothek auch den Barbarinischen Faun, die Minerva Ergane u. a. Der Entwurf eines Frieses nach Schillers Cleusinischem Festes bewog 1821 den Kronprinzen als Ren bei W. den Centauren⸗ und Lapithenkampf als Relief für die münchener Reitschule zu bestellen. W. modellierte den Entwurf in halber Größe, der dann an Ort und Stelle in Stein ausgeführt wurde. Es folgte 1822 die Bestellung des 92 m langen Frieses für das Innere der Walhalla (enthaltend Motive aus der deutschen Vorgeschichte), welcher erst 1839 vollständig aufgesetzt war. Während dieser Zeit war W. zugleich mit dem Ankauf und der Restauration antiker Vasen, namentlich aus Vulci, beschäftigt, die jetzt die herrliche münchener Vasensammlung ausmachen. Später entstand eine Reihe plastischer Entwürfe zur Ausschmückung des neuen Siegesthors in München, die Kreise Bayerns in Medaillons enthaltend, sodann an den Seiten Kämpfe zwischen Reitern und Fußvolk und oben auf der Attika sechs Victorien und die Bavaria auf einer von vier Löwen gezogenen Quadriga. Diese Modelle wurden in Werschiedenen Werkstätten Münchens em Berte das ganze Thor aber im Herbst 1850 dem erkehr übergeben. W. starb 8. Aug. 1858 in Rom. Seine Auffassung geht durchaus von der antik griechischen aus, deren Geist und Geschichte er trefflich kannte. Vgl. Urlichs, Johann Martin von W.» (Würzb. 1866).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 374Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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