FeedWeisheit
ReligionBrockhaus 1882

Weisheit (grch. 606⁷½, lat. sapientia) ist das Wissen in seiner praltischen und besonders seiner moralischen Bedeutung, insofern es auf Gesinnungen und Handlungen einen veredelnden Einfluß ausübt. Die W. gründet sich auf feste Überzeugung der philos. Wahrheit mit dem Bestreben, dieselbe ins Leben einzuführen, die Lebenszustände durch Anwendung ihrer Grundsätze zu verbessern und zu vervollkommnen. Diese Richtung auf das Praktische unterscheidet die W. von der bloßen Wissenschaftlichkeit und Gelehrsamkeit, welche ohne kerschen bestehen kann. Auf der andern Seite unterscheidet die Beziehung aller Gesinnungen und Handlungen auf die allgemeinsten und höchsten Prinzipien der denkenden Vernunft die W. von der bloßen Klugheit, die in der zweckmäßigen Verwendung der gegebenen Mittel zu irgend welchen beliebigen Zwecken besteht. Die Allgemeinheit ihrer philos. oder rein menschlichen Grundsätze hingegen unterscheidet die W. von der religiösen Frömmigkeit als dem Streben nach geistiger Vervollkommnung und Verbesserung des Lebens auf dem Wege eines geoffenbarten Systems. Wegen dieses Strebens nach den Zielen der W., nur mit den durch Offenbarung gegebenen Mitteln, hat sich die Theologie ehemals selbst als die Gottesweisheit bezeichnet, und sich die Philosophie als eine mit weltlichen Dingen beschäftigte W. oder Weltweisheit gegenübergestellt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 523Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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