FeedWild⸗
GeschichteBrockhaus 1882

Wild⸗, Rhein⸗ und Raugrafen waren die Feudaltitel mehrerer der ältesten westdeutschen Dynastengeschlechter, die eine große Zahl zerstreuter Burgen und Güter von der Rheinpfalz ab über den Hundsrück, an der Nahe, dem Simmern, Kyr bis nach Wistingen, Püttlingen, Salm am Wasgau und tief in Lothringen hinein besaßen. Erst im Laufe des Mittelalters vererbten diese verschiedenen Titel zugleich mit den Burgen und Gütern auf Einen Stamm. Die Rheingrafen (s. d.) kommen sicher schon zu Anfang des 12. Jahrh. vor, und bald darauf wird ein Wildgraf Emich II. von Schmidburg am Hundsrück erwähnt, dessen ältester Sohn Konrad den Titel Wildgraf (comes silvestris) führte, während der jüngere, Emich, mit dem Titel Raugraf (s. d.) die Güter bei Altsimmern und Stromberg erhielt. Frühzeitig entstanden durch Verheiratungen neue Linien. Die Rheingrafen hielten sich zu dem Erzstift Mainz, wo sie bald, wie auch zu Worms und Straßburg, zu hohen Ehrenstellen befördert wurden; die Wildgrafen dagegen lagen in Streitigkeiten mit Lothringen, Trier und Köln und büßten dabei manche Besitzung ein. Zu Anfang des 15. Jahrh. gab es drei AÄste der Wild-, Rhein⸗ und Raugrafen zu Tronecken, zu Dhaun und zu Kyrburg. Auch war die halbe obere Grafschaft Salmn im Wasgaugebirge, mit den Schlössern Salm und Langenstein, durch die Vermählung der Erbtochter des gräfl. Hauses Salm mit dem Wild⸗, Rhein⸗ und Raugrafen Johann V. 1475 dem alten Erbe nebst andern Lehen in Metz und in Lothringen zugefallen. Johanns VI. Söhne, Philipp und Johann VII., teilten 1514 das väterliche und mütterliche Erbe, und es erhielt Philipp die Grafschaft Dhaun, Rheingrafenstein im jetzigen Rheinhessen und Salm mit den Lehen von Metz und Lothringen, d6 ann VII. aber Kyrburg nebst den Herrschaften eutsch⸗ Suningen Die seit 1485 erworbene Herrschaft Winstingen (Fenestrange) und der Heimsall des Astes von Tronecken, der 1533 erfolgte, blieben gemeinschaftlich. Der Wild⸗ und Rheingraf Philipp starb 1521 und hinterließ zwei unmündige Söhne, Philipp Franz, geb. 1518, und Johann Philipp, geb. 1520. Der Kurfürst Ludwig von der Pfalz wurde nach des Vaters Bestimmung ihr Vormund. Philipp Franz studierte, wie es scheint, zu Heidelberg, und früh fand zum Teil durch ihn die neue Lehre Eingang in seiner Herrschaft; Johann Philipp ging 1538, ungeachtet seiner Hinneigung zu Luthers Lehre, an den franz. Hof, wo er sich, unbekümmert um seine Ächtung durch den deutschen Kaiser und um den Verlust seiner Güter, 1543 unter den Fahnen Frankreichs an die Spitze deutscher Söldner stellte. Whilip Franz starb 1561 und sein 39• dann2 hilipp 1566. Des letztern Neffe, ann Philipp, starb bald darauf in der Schlacht von Moncontour, und sein Ansehen und seinen Einfluß erbte 41 Bruder, der Rheingraf riedrich, geb. 1547, welcher der Stifter der Linie Salm (. d.) war, wieder zur kath. Kirche übertrat und durch den deutschen Kaiser die fürstl. Würde erhielt. Wild⸗ und Rheingrafen zu Kyrburg fochten im Dreißigjährigen Kriege im Dienste Gustav Adolfs und der Krone Schweden. Rhein-⸗ Nord Otto Ludwig gab nach der Schlacht bei ördlingen die Festen und Städte des Elsaß an Beuder dr und starb bald nachher 1634. Sein ruder Johann Philipp fiel 1638 in dem ersten Treffen bei Rheinfelden. Rheingraf Otto, schwed. Statthalter, starb zu Straßburg 1637. Gegenwärtig führt den Titel Wild- und Rhein⸗ —— nur noch die Grumbachsche Linie des Hauses alm (s. d.), die, nachdem sie für die verlorenen Güter el des Rheins 1803 mit dem münsterschen Amte Horstmar entschädigt worden war, 1817 unter dem Titel Salm-Horstmar vom König von Preußen in den Fürstenstand erhoben wurde, aber neben dem fürstlichen den alten Titel fortführt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 639Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6