Wilhelm IV., Landgraf von Hessen-Kassel, 1567 — 92, der Sohn Philipps des Großmütigen (s. d.), besonders bekannt als Astronom, geb. 1532, ward im Schmalkaldischen Kriege unter Johann Sturms und Burens Leitung in Straßburg erzogen, von Philipp im April 1547 zurückgenommen und führte, als dann jener in die Gefangenschaft Karls V. geriet, fünf Jahre mit wachsender Einsicht und mit Treue gegen seinen Vater und sein Land die Regierung. Die Fürstenverschwörung von 1552 hatten vor allem seine und seiner Räte unausgesetzten Bemühungen zu Stande gebracht; er führte die hess. Truppen, welche an dem Kampfe gegen Karl V. teilnahmen. Die Rückkehr seines Vaters ließ ihn mehr ins Privatleben zurücktreten. Er widmete sich nun vor allem astron. Studien, die er, der Freund Tychos de Brahe, durch eigene Forschungen förderte. Mit ernster Hingabe widmete sich W. der Verwaltung seines Fürstentums, als er 1567 in Hessen-Kassel nachfolgte, ein aufrichtiger und für seine Zeit freigesinnter Protestant, aber durch Neigung und landesväterliche Interessen von der energischen Unterstützung des europ. Protestantismus, der in den hugenottisch-oranischen Gebieten und in England seine Schlachten schlug, abgewandt. Er starb 25. Aug. 1592; sein ältester Sohn Moritz, der ihn von zwei Söhnen allein überlebte, ward sein Nachfolger. Einen Teil seiner astron. Beobachtungen hat Snellius unter dem Titel 4Coeli et siderum observationes o (Leid. 1618) herausgegeben; doch bei weitem die meisten finden sich ungedruckt in der Bibliothek zu Kassel.