Wilhelm IX., Graf von Poitou (1087 — 1127), Herzog von Aquitanien, der älteste bekannte Troubadour, war ebenso berufen wegen seiner Tapferkeit, Unterhaltungskunst und dichterischen Gewandtheit, wie wegen seiner Sittenfreiheit und Verführungskunst. Seine noch in einfacher Strophenform verfaßten Lieder, die zu den originellsten Erzeugnissen mittelalterlicher Lyrik zählen, verraten einen ebenso stürmischen, wie geschmeidigen Charakter, stroten von Lebenslust und Übermut, zeigen W. jedoch auch als einen tieferer Empfindungen fähigen Dichter. W.s Lieder gab A. von Keller (Tüb. 1850) heraus. Vgl. F. Diez, «Leben und Werke der Troubadours (2. Aufl., Lpz. 1882); Sachse, «aüber das Leben und die Lieder W.s von Poitouv (Lpz. 1882).
Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 655Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei