Zingerle (Jgnaz), namhafter Germanist, Neffe des vorigen, geb. zu Meran 6. Juni 1825, studierte zu Innsbruck und an der theolog. Lehranstalt zu Brixen. Im Herbst 1848 kam er als Gymnasiallehrer nach Innsbruck, wo er 1850—53 die belletristische Zeitschrift Phönixo herausgab. Im J. 1858—59 fungierte er als provisorischer Universitätsbibliothekar, und 1859 wurde er ord. Professor für deutsche Sprache und Litteratur an der Universität. Aus der großen Zahl von 3.8 Schriften, welche das Gebiet der Ethnographie, der Geschichte und der Litteratur Tirols betreffen, sind zu nennen: „Sagen aus Tirolo (Innsbr. 1859), «Tirol. Natur, Geschichte, Sage u. s. w.»(Innsbr. 1852), Kinder- und Hausmärchen aus Tirolo (Bd. 1, Innsbr. 1852; 2. Aufl., Gera 1870; Bd. 2, Regensb. 1854), Sitten, Bräuche und Meinungen des tiroler Volkse (Innsbr. 1857; 2. Aufl. 1871). Von seinen eigentlichen germanistischen Arbeiten sind zu erwahnen: Die Allitteration bei mittelhochdeutschen Dichtern⸗ (Wien 1864), Lusernisches Wörterbucho Wien 1869), Die Pluemen der Tugent des Hans intlero (Innsbr. 1874). Kulturhistorisch wichtig sind: «Die deutschen Sprichwörter im Mittelalter (Wien 1868), Das deutsche Kinderspiel im Mittelalter (Wien 1868; 2. Aufl., Innsbr. 1873), Schildereien aus Tirolv (Innsbr. 1875). Die «Tirolischen Weistümero (4 Bde., Wien 1875 — 87) gab er mit Inama-Sternegg und J. Egger heraus.