FeedZweites Gesicht
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Zweites Gesicht, auch Deuteroskopiessgrch.) genannt, bedeutet ein Hervortreten von ahnungsvollen Traumbildern (Visionen) während des wachenden Zustandes. Diese Erscheinung wurde namentlich durch das, was Sam. Johnson in seinem „Journey to the vestern Isles of Scotlando Cond. 1775) darüber gesammelt hatte, bekannt. Derselbe sagt: das andere Gesicht (second sight) sei ein Eindruck, der entweder durch die Seele aufs Auge, oder durchs Auge auf die Seele gemacht werde und vermöge dessen entfernte oder zukünftige Dinge erkannt und gesehen würden, als ob sie gegenwärtig wären. G. C. Horst in seiner „Deuterostopies (Frankf. 1830) und Walter Scott in seinen Letters on demonology and witchcrasto haben eine Menge von Fällen solcher Visionen zusammengestellt, und in Carus' Vorlesungen über Psychologies (Lpz. 1851) findet man die Theorie dieser Erscheinungen ausführlicher erläutert. Die Thatsachen dieser Art sind an so verschiedenen Orten, zu so verschiedenen Zeiten und zum Teil von so unparteiischen und wissenschaftlich gebildeten Beobachtern aufgesammelt worden, daß es unmöglich erscheint, sie nicht in einer gewissen Beschränkung als wahr anzuerkennen. Die psfychol. Möglichkeit derselben liegt in einer anomalen, häusig krankhaften und, wie es scheint, leicht erblichen Steigerung der Phantasiethätigkeit, welche durch lebhafte Interessen und starke Gefühle in einer ihr selbst unbewußten Weise zu hallucinatorischen Vorstellungen getrieben wird. Vgl. Mayer, „Die Sinnestäuschungen u. s. w.» (Wien 1869). weiweibig (botan.), soviel wie Digynus. weiwertige Elemente, s. unter Ehemie, Bd. IV, S. 227.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 974Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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