FeedKarton
Bildende KunstBrockhaus 1882

Karton (frz.) heißt in der Malerei eine Zeichnung auf starkem Papier, Pappe oder ähnlichem Material, deren man sich zum Vorbild bei einem größern, in Fresko, Ol, auf Tapeten, sonst auch in Glas und Mosaik in denselben Dimensionen auszuführenden Gemälden bedient. Beim Freskomalen ist es besonders nötig, durchgeführte K. vor sich zu haben, weil dabei ein schnelles Verfahren erfordert wird und eine Verzeichnung sich schwer verbessern läßt. Gewöhnlich wird der K. auf die betreffende Fläche übertragen, indem man ihn auf dieselbe legt, die Umrisse durchsticht und dann mit i einem mit Kohlenstaub gefüllten Säckchen betupft. Oder man umfährt auch die Umrisse mit einer Nadel und teilt sie der Fläche vermöge eines gelinden Drucks mit, nachdem man die Rückseite des K. mit Kreide oder Kohlenstaub geschwärzt hat. Beim Freskomalen wurden sonst die Figuren auch ausgeschnitten und an dem nassen Entwurf festgehalten. Der Maler fuhr dann mit einem eisernen oder hölzernen Stifte am Rande derselben hin, sodaß die Umrisse der Figuren in einer leichten, aber sichtbaren Vertiefung auf dem frischen Kalke erschienen, wenn man den K. wegnahm. Die für Mosaikarbeiten bestimmten K. werden ganz in Farben ausgeführt und dann auf die präparierte Steinplatte übertragen, wogegen man bei der Glasmalerei die mit der Feder gezeichneten Vorbilder einfach der Glasplatte unterlegt und dann die Umrisse mit Leichtigkeit auf der Oberfläche nachzeichnet. Bei einer besondern Art Tapeten, den Gobelins (s. d.), werden noch jetzt die Zeichnungen ausgeschnitten und hinter oder unter den Einschlag gelegt, wonach der Wirker seine Arbeit einrichtet, weshalb diese K. in Farben ausgeführt sein müssen. Die alten ital. Meister legten großen Werth auf K. Anweisungen über das Verfahren geben Cennini im Libro dell' arten (um 1400), Vasari in der Einleitung seiner Biographien, Armenini, recetti della pittura (Vened. 1687). In der spätern Zeit gingen die Künstler weniger sorgfältig zu Werke, und man arbeitete mehr nach kleinen Skizzen ins Große. In neuerer Zeit haben einige deutsche Künstler wieder durch Verfertigung fleißiger K. Ruhm erlangt, namentlich Cornelius, Overbeck, Schnorr, Kaulbach u. a. Hierzu gab ebenfalls die umfassende Anwendung der Freskomalerei in München Veranlassung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 160Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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