FeedKatjanöl
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Katjanöl, soviel wie Erdnußöl. Katkow (Michail Nikiphorowitsch), russ. Publizist, geb. 1820 zu Moskau, stammt aus einer adeligen Familie, studierte auf der dortigen Universität, in Königsberg und Berlin, wo er ein eifriger Schüler Schellings war. Nach Rußland zurückgekehrt, wurde er Professor der Philosophie an der moskauer Universität, welche Stellung er 1849 zufolge der von dem Kaiser Nikolaus angeordneten Beschränkungen der akademischen Lehrfreiheit aufgab. Er begann 1856 die Herausgabe des Journals (Russkij Wjestnikeo, in welchem er die modernen Ideen des Liberalismus und namentlich das engl. Selfgovernment vertrat, zugleich aber der radikalen und sozialistischen Partei entschiedene Opposition machte. Der Aufstand in Polen und die fieberhafte Neigung zu Umwälzungen, die sich gleichzeitig in Rußland kundgab, führten K., der seit 1861 auch die Redaction der Moskauer Zeitung» übernommen hatte, zu einer Veränderung seiner bisherigen polit. Ansichten. Er wurde der Apostel des Nationalrussentums, bewirkte die Entsendung des Generals Murawjew nach Wilna, sowie die Beseitigung des Marquis Wielopolski und gewann großen Einfluß auf seine Landsleute. Vornehmlich auf seine Thätigkeit waren die von der russ. Regierung unternommenen Versuche zur gewaltsamen Russifizierung Polens und zur Unterdrückung des deutschen Elements und der ständischen Verfassung in den Ostseeprovinzen zurückzuführen. Außerdem verfocht er mit Professor Leontjew das klassisch-humanistische Unterrichtssystem. Da die beiden Freunde bei dem damaligen Unterrichtsminister Golownin mit ihren Vorschlägen nicht durchzudringen vermochten, begründeten sie 1865 ein Privatgymnasium zu Moskau, das unter dem Namen «Lyceum des verstorbenen Großfürsten Nikolaiv noch besteht. Nach dem Sturze Golownins (Mai 1866) bewirkten K. und Leontjew eine vollständige Umgestaltung des Gymnasial-Lehrplans. Das unter ihrer Mitwirkung zu Stande gekommene neue Gesetz begünstigte den Klassizismus und wurde gegen den Widerspruch der gesamten übrigen Presse von dem Unterrichtsminister Grafen Tolstoj durchgeführt und aufrecht erhalten. Auch nach dem Rücktritt des letztern (April 1880) wußte K. (Leontjew war 1875 verstorben) die Beibehaltung der bestehenden Gymnasialordnung zu bewirken. Nach dem Tode des Kaisers Alexander II. stand K. an der Spitze der Partei, die die von demselben beabsichtigte Einberufung eines Ausschusses der Provinzial-Landschaftsversammlungen verhinderte, die Entlassung der Minister Loris-Melikow, Abasa und Miljutin und die Befolgung eines zugleich streng nationalen und reaktionär-absolutistischen Systems durchsetzte. Das ihm angetragene Portefeuille des Unterrichtsministeriums schlug K. aus, dagegen nahm er die Würde eines Geheimrats an. Wesentlich seinem Einfluß auf den Unterrichtsminister Deljanow sind die Aufhebung des liberalen Universitätsstatuts von 1863 und die Strenge zuzuschreiben, mit der gegen alle liberalen Elemente im Unterrichtswesen und der Verwaltung vorgegangen wird. Früher entschiedener Gegner Deutschlands, gehört K. seit neuester Zeit zu den Anhängern einer deutsch-russ. Allianz und einer Verständigung mit Ssterreich-Ungarn.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 189Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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