FeedKlopstock (Friedr. Gottlieb)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Klopstock (Friedr. Gottlieb), ausgezeichneter deutscher Dichter, geb. 2. Juli 1724 zu Quedlinburg, wo sein Vater Kommissionsrat war, verlebte seine erste Jugend, da der Vater das Amt Friedeburg im Mansfeldischen pachtete, auf dem Lande, besuchte dann das Gymnasium seiner Vaterstadt und kam in seinem 16. Jahre nach Schulpforta. Schon hier faßte er den Plan zum «Messiaso, nachdem er die Absicht, Heinrich den Vogler zum Helden eines größern epischen Gedichts zu ½ aufgegeben hatte. Iue Herbst 1745 bezog er die Universität Jena, um heologie zu studieren, und arbeitete hier die ersten Gesänge des Messiaso in Prosa aus. In Leipzig, wohin er sich 1746 begab, lernte er Cramer, Schlegel, Rabener, Zachariä u. a. kennen, die damals die (Bremischen Beiträger herausgaben, in welchen 1748 die drei ersten Gesänge des «Messiasv ohne den Namen des Dichters zuerst erschienen (Neudruck, Heilbr. 1883) und außerordentliches Aufsehen erregten. K. übernahm 1748 eine Hauslehrerstelle in Langensalza, wo er eine tiefe, aber unerwiderte Neigung zu der Bruderstochter seiner Mutter, Sophie Schmidt, der in seinen Oden gefeierten Fanny, faßte. Von Bodmer, auf den der Messiaso den stärksten Eindruck gemacht hatte, eingeladen, reiste K. im Sommer 1750 nach Zürich, wo er ein halbes Jahr blieb. Hier erhielt er von König Friedrich V. von Dänemark auf Empfehlung des Ministers Bernstoff die Einladung, mit einem Gehalt von 400 Thlrn. nach Kopenhagen zu kommen, um daselbst den „Messiaso zu vollenden. Er nahm die Einladung an und reiste im Frühjahr 1751 über Quedlinburg und Hamburg nach Kopenhagen. In Hamburg lernte er die von ihm später als Cidli gefeierte Margarete (Meta) Moller (geb. 1728) kennen, die jüngste Tochter des dortigen Kaufmanns Peter Moller. Er verheiratete sich 1754 mit ihr, verlor sie aber schon 1758 durch den Tod. Ihre hinterlassenen Schriften gab er bald nach ihrem Tode heraus (Hamb. 1759 und in K.s Werken). Im J. 1763 erhielt er den Titel eines dän, Legationsrats. Nachdem Bernstorff seine Entlassung erhalten hatte, verließ auch K. 1771 Kopenhagen und folgte ihm nach Hamburg, behielt aber seinen dän. Gehalt. In Hamburg vollendete er endlich seinen «Messiasv, dessen letzte fünf Gesänge 1773 erschienen. Gegen Ende 1774 ging er auf eine Einladung des Markgrafen Friedrich von Baden nach Karlsruhe, lebte daselbst ein Jahr und kehrte dann, mit dem Hofratstitel und einem Jahrgehalt beschenkt, nach Hamburg zurück. Hier verheiratete er sich 1792 mit einer Verwandten und langjährigen Freundin, der verwitweten Johanna Elisabeth von Winthem, geb. Dimpfel, und starb 14. März 1803. Er wurde im Dorfe Ottensen bei Hamburg neben seiner ersten Gattin begraben. ermißt, sind unter C aufzusuchen. Um Kis Verdienst um deutsche Poesie, Litteratur und Sprache annähernd würdigen zu können, muß man sich auf den Boden der Zeit stellen, welcher er angehörte. Wie mit Luther eine neue Epoche der deutschen Sprache überhaupt beginnt, so beginnt mit K. eine neue Epoche der deutschen poetischen Sprache. Er befreite Deutschland von der Alleinherrschaft des Alexandriners, dem er den Hexameter entgegensetzte, als von einer hohlen, auf bloße Korrektheit und leeren Klang abzielenden Reimerei, welcher er zugleich in seinen Oden durch geschickte Verwendung antiker Versmaße und Erfindung neuer ein heilsames Gegengewicht hielt. Bei zunehmendem Alter verfing er sich allerdings in immer höherm Grade in der Einseitigkeit seiner Manier und gab in seinen spätern, der Form und Konstruktion nach überkünstlich verflochtenen Oden häufig wahrhafte Sprach- und Gedankenrätsel auf; dieser Vorwurf trifft jedoch nicht die Oden seiner frühern Epoche, in denen die Lebhaftigkeit seines Geistes und die Beweglichkeit seiner Empfindung deutlich sich aussprechen. K. zuerst führte nach einer längern Periode des Verfalls der deutschen Poesie wieder nationalen Stoff und Inhalt zu. Zu diesem Zwecke rief er in freilich unhaltbarer Weise die damals noch wenig gekannte und durchforschte nordische Mythologie zu Hilfe, um die nur äußerlich aufgefaßte griech. Mythologie aus der deutschen Dichtkunst immer mehr zu verdrängen und ihren Gebrauch zu beschränken. Zu eben diesem Zwecke stellte er Hermann den Cherusker als einen Nationalheros und Repräsentanten deutscher Freiheit und Unabhängigkeit auf; aus demselben Grunde pries er die deutsche Sprache in vielen seiner Oden als diejenige, welche sich nicht nur mit allen modernen Sprachen, sondern auch mit der lateinischen und griechischen vollkommen messen könne. Den nordamerik. Unabhängigkeitskrieg, die ersten Anfänge der Französischen Revolution begrüßte er mit Enthusiasmus als die Morgenrotsstrahlen einer bessern Zeit und erhielt deshalb von der franz. Nationalversammlung das Bürgerdiplom; jedoch sprach er gegen die spätern Ausartungen der Revolution seinen Abscheu in kräftigen Oden aus und beklagte seine getäuschten Hoffnungen in origineller Weise. K.s Messiaso, der in der Geschichte der deutschen Poesie eine ganz neue Epoche bezeichnet, hat auch jetzt noch hohen poetischen Wert. Oft aus dem Epischen in den reinen Hymnus übergehend, angefüllt mit mancherlei überschwenglichkeiten, ist er doch reich an wirksamen oratorischen Stellen und bekundet durchgehends eine große Fülle von Phantasie, ein wahrhaft religiöses Gemüt, einen mächtigen Schwung, welcher den Dichter freilich weit über alle Grenzen des Möglichen und Denkbaren hinausführt. Von geringerer Bedeutung sind seine Tragödien, in denen er Hermann den Cherusker feierte und die er selbst Bardiete (s. Barden) nannte; geradezu platt sind die Dramen, in welchen er altbiblische Stoffe dialogisierte. Seine „(Fragmente über Sprache und Dichtkunsto, seine „Gelehrtenrepubliko und seine „Grammatischen Gesprächer klärten viele Gegenstände der deutschen Grammatik und Poesie auf, wenn auch seine Neuerungen in der Wortschreibung, sowie überhaupt mehrere Grundsätze seines Stils nicht Beifall finden konnten. Seine Säkularfeier wurde 2. Juli 1824 zu Quedlinburg und Altona würdig begangen und bei dieser Gelegenheit ihm in Quedlinburg ein Denkmal gesetzt; auch ein Klopstock-Verein hat sich daselbst gebildet. Seine Werker erschienen gesammelt in 12 Oktavbänden (Lpz. 1798 —1817); von der auf 12 Bände berechneten Quartausgabe kamen nur 7 (Lpz. 1798—1810) heraus. Neuere Ausgaben erschienen in 12 Bänden 1823 -26, in 9Bänden 1839, in Einem Bande ebenfalls 1839, in 11 Bänden 1844 — 45. Schmidlin veröffentlichte Ergänzungen zu K.s sämtlichen Werkeno (3 Bde., Stuttg. 1839—40). Die beste Erläuterungsschrift zu den Oden ist die von Düntzer (6 Hefte, Wenigenjena 1860—61; 2. Aufl. 1878); derselbe hat auch eine Auswahl der Oden (Lpz. 1868) veranstaltet und den ersten Druck der «Hermannsschlachte (Lpz. 1876) wieder herausgegeben. gl. K. F. Cramer, «K., er und über ihn v (2. Aufl., 5 Bde., Lpz. 1782—93); „(Briefwechsel der Familie K. unter sich und mit Gleim, Schmidt, Fanny, Meta u. a.v (herausg. von Klamer Schmidt, 2 Bde., Halberst. 1810); Lappenberg, «Briefe von und an K.» (Braunschw. 1867); Döring, «K.s Lebeno (Weim. 1825); Grubers Biographie K.s, in dessen Ausgabe der «Oden » (2 Bde., Lpz. 1831); besonders aber Mörikofer, «K. in Zürich» (Zür. 1851), in neuer Bearbeitung in dessen «Die schweiz. Litteratur des 18. Jahrh. » (Lpz. 1861); D. F. Strauß, «K.s Jugendgeschichtes in dessen Kleinen Schriften. Neue Folge (Berl. 1866); Boxberger im 1. Teil von K.s Werken in Hempels Nationalbibliotheköo. In neuester Zeit hat sich auch die philol. Thätigkeit der Kritik und Erklärung seiner Werke zugewandt; vgl. des Klopstock-⸗Schwärmers Hamel «Zur Textgeschichte des K.schen Messias v (Rostock 1879), desselben «Klopstock-Studien v (3 Hefte, Rostock 1880) und dessen Ausgabe K.s in Kürschners «Nationallitteraturo (Bd. 46 fg.); Pawel, K.s Odeno (Wien 1880); desselben K.s Wingolf. Kritische Ausgabe nebst Kommentaro (Wien 1882); Schmidt, „Beiträge zur Kenntnis der K. schen Jugendlyriko (Straßb. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 350Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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