Königgrätz (czech. Hradec Krälove), Hauptstadt der gleichnamigen Bezirkshauptmannschaft im östl. Teile des Königreichs Böhmen und bis 1884 Festung, liegt an der Einmündung der Adler in die obere Elbe, 97 Km im Osten von Prag, und ist Station der Linie Chlumeß-Geiersberg-Dittelwalde der Osterreichischen Nordwestbahn, der Hauptlinie Pardubitz-Reichenberg-Seidenberg der Süd-Norddeutschen Verbindungsbahn und der Linie K.⸗ Westromet der Böhmischen Kommerzialbahnen. Der in fruchtbarer Gegend gelegene Ort ist Siz eines Bezirksamts des Kreis⸗ und eines Bezirksge richts, sowie eines Bistums und zählt (1880)8166 CE. Unter den vier Kirchen der Stadt zeichnet sich die schöne gotische, w1302 gegründete Kathedrale (heil. Geistkirche)h aus. Andere ansehnliche Gebäude sind das Rathaus, Schauspielhaus, die bischöfl. Residenz und das ehemalige Jesuitenkollegium. Von höhern Unterrichtsanstalten bestehen ein Gomnasium, eine Oberrealschule, eine Töchterschule und ein Lehrerseminar. Mit dem Bistum verknüpft sind eine Diöcesananstalt und ein theol. Seminar. Die Bevölkerung der Stadt entwickelt viel Gewerbfleiß. Man fertigt unter anderm musikalische (Blech-) Instrumente, Handschuhe, Wachslichter u. s. w.; auch wird starker Gemüsebau getrieben. Ziemlich entfernt (3 Km) von der Stadt liegen die vier Vorstädte Schießstatt, Kuklena, Neuköniggrätz und Panchow. Die Stadt war schon 1055 sehr ansehnlich, wurde 1062 befestigt, und das vorhandene alte Schloß wurde 1362 der Königin Elisabeth als Witwensitz angewiesen. Bis dahin hieß die Stadt Hradec. Die 1780—89 erbauten Festungswerke sollen eingeebnet werden, sind jedoch noch vorhanden. In der Gegend von K. wurde 3. Juli die Entscheidungsschlacht des Deutschen Kriegs von 1866, die Schlacht von Königgrätz (häufig, besonders von Franzosen und Engländern, auch Schlacht von Sadöwa genannt) geliefert. Die österr. Armee unter Feldzeugmeister Benedek, verbunden mit den sächs. Truppen, hatte sich nach ungünstigen Gefechten (s. Deutscher Krieg von 1866) und dem Verluste von Gitschin nordwestlich von K. versammelt, um hier eine Hauptschlacht anzunehmen. Sie war etwa noch 205000 Mann stark und hatte eine sehr vorteilhafte Stellung hinter der sumpfigen Bistritz, der rechte Flügel an den schwer zu überschreitenden Trotinabach, der linke an das Dorf Nechanitz gelehnt, die Mitte auf einem terrassenförmig ansteigenden Höhenzuge. Auf diesem standen von rechts nach links das 2., 4. (Chlum-Nedelist), 3. (Lipa-Chlum), 10. österr. und königl. sächs. Armeekorps (Popowitz), sowie die 1. leichte Kavalleriedivision (Problus-Prim). Die Artillerie (an 600 gezogene Geschütze) beherrschte das freie Vorgelände, dessen Entfernungen ihr genau bekannt, zum Teil sogar bezeichnet waren. Für die Batterien waren Geschützstellungen allenthalben eingeschnitten, insbesondere bei Nedelist, Lipa und Chlum. Bei den Dörfern Sadowa und Benatek waren zwei vorliegende Wäldchen als Stützpunkte mit Verhauen versehen. In Reserve standen das 1. Armeekorps bei Rosnitz, das 6. bei Wsestar, das 8. hinter dem sächs. Korps, die 2. leichte Kavalleriedivision bei Nedelist, die 1. und 3. Reservekavalleriedivision bei Sweti, die 2. bei Briza. Über die Elbe waren zwischen Lochenitz und Predmeritz, so- wie bei Placka Kriegsbrücken hergestellt. Die preuß. Armee, über welche König Wilhelm am 2. Juli in Gitschin den Oberbefehl übernommen hatte, sollte für den 3. Juli Ruhetag haben, da die Truppen von fortwährenden Märschen und Gefechten sehr angegriffen waren. Die Elbarmee unter General Herwarth von Bittenfeld bildete den rechten Flügel bei Smidar, die Erste Armee nebst dem Kavalleriekorps, unter dem Prinzen Friedrich Karl, stand bei Horsiz; die Zweite Armee, unter dem Kronprinzen, 22 kmtentfernt bei Königinhof und Gradlitz. Im ganzen betrug die preuß. Streitkraft 220984 Mann. Am 2. Juli, abends 11 Uhr, ging die Meldung ein, daß die Österreicher über die Elbe vorgegangen seien und den Abschnitt der Bistritz besetzt hätten. Der König beschloß sogleich den Angriff, und die Befehle zum Vormarsch gingen an alle Korps ab. Die Armee des Prinzen Friedrich Karl sollte in der Front den Feind beschäftigen, während die des Kronprinzen gegen dessen rechte, die Elbarmee ßt, sind unter C aufzusuchen. gegen die linke Flanke ihren Angriff richteten. Um Armee in dern 7 Uhr morgens, 3. Juli, konnten sich die Erste und Dort griffen d die Elbarmee schon formieren; um 8 Uhr wurde banze Artilleri die Schlacht eröffnet, welche der König von einer baren Verlust Höhe bei Sadowa leitete. Die Gsterreicher em⸗ den übergang pfingen die Preußen mit einem furchtbaren Artil-mußte die Stel leriefeuer. Letztere überschritten zwar die Bistritz! Linksabmarsch und kämpften mit großen Verlusten um die Wäld⸗ rechten Flügels chen von Sadowa und Benatek (General von Gor⸗ König seine letz don), auch Swipwald oder Wald von Maslowed Kolonnen des genannt, und die vor der Hauptstellung liegenden fer und erstürn Dörfer, fanden aber einen so hartnäckigen Wider⸗ den Hauptschli stand, daß die Schlacht gegen Mittag zum Stehen Jetzt gab der kam. Der König hielt mit äußerster Anstrengung rücken und setzt das Gefecht durch Artillerie hin, sodaß von seder servekavallerie. Seite an 500 Geschütze hier gegeneinander feuerten,‚ konnten die Oste bis gegen 2 Uhr der Kanonendonner der Zweitenbehaupten. Il Convers ations-Lexikon. 13. Aufl. X. rechten Flanke. des Feindes erschallte. die Garden an und entwickelten ihre ie, welche der österr. Reserve furchtzufügte. Das 6. Korps erzwang sich über den Trotinabach, und Benedek llung seines durch den eigenmächtigen des 4. Armeekorps stark gefährdeten 5 verändern. Im Centrum zog der zte Reserve (3. Armeekorps) vor; die Kronprinzen nahmen mehrere Dörnten endlich die Höhen von Chlum, üsselpunkt der Stellung Benedeks. König Befehl zum allgemeinen Vorte sich selbst an die Spitze der Re-Vor diesem umfassenden Angriff erreicher ihre Stellungen nicht mehr hre Batterien feuerten noch bis zum letzten Augenblick, selbst im Schnellfeuer der Zündnadelgewehre, weshalb viele Geschütze verloren gingen; ihre Reservekavallerie opferte sich heldenmütig, um den Rückzug der ziemlich aufgelösten Infanterie gegen die zur Verfolgung vorbrechende preuß. Kavallerie zu decken, konnte diese aber in einem mörderischen Reitergefecht unter den Augen des Königs nicht aufhalten. Zwischen 3 und 4 Uhr war die Schlacht entschieden, aber der Kampf wütete fort bis unter die Kanonen von K., sodaß die Schlacht über 12 Stunden dauerte. Der konzentrische Vorstoß der drei preuß. Armeen traf hinter der österr. Stellung zusammen. Die Elbarmee war nicht in der Lage, sogleich wirksam eingreifen zu können. Dagegen drang die 11. Division (Zastrow) über Rosnitz und Briza gegen die im Rückzug befindlichen Massen mit großem Erfolge vor und nahm noch nach 6 Uhr 52 Geschütze sowie 5000 Mann gefangen. 19300 Gefangene, 161 Geschütze und 5 Fahnen waren die Trophäen des Siegs. Der Rückzug der geschlagenen Osterreicher ging auf Olmütz, verfolgt von der Armee des Kronprinzen; nur das 10. Korps (Gablenz) und der größte Teil der Kavallerie eilten auf Wien, wohin sich die preuß. Erste und die Elbarmee 5. Juli in Bewegung setzten. Die Schlacht führte zwar zunächst nicht zum Friedensschluß, entschied jedoch den schließlichen Ausgang des ganzen Kriegs. Vgl. die preuß., österr. und sächs. Generalstabswerke; ferner: Jähns, Die Schlacht bei K.y (Lpz. 1876), und von Schleinitz, Vergleichende Betrachtungen über die Schlachten von Belle-Allianee und K.» (Berl. 1876).