FeedKönigstein
GeschichteBrockhaus 1882

Königstein, die einzige Festung (Sperrfort) des Königreichs Sachsen in der Kreishauptmannschaft Dresden, Amtshauptmannschaft Pirna, erhebt sich 10 km von der böhm. Grenze an dem linken Ufer der Elbe als eine majestätische Bergmasse, deren untere Stufe im NW. durch seichte Schluchten mit niedrigen Hügeln verbunden ist, während die obere Stufe die nächste Umgebung hoch überragt und wiederum einen Felsenkranz trägt. Die Oberfläche dieses Felsenkranzes erreicht eine absolute Höhe von 359 und eine solche über dem Elbspiegel von 245, m. Nur im NW. führt ein sehr steiler, an drei Stellen verteidigter Zugang auf die Höhe, welche, außer verschiedenen Gebäuden, den Kasematten und Freiplätzen, auch Gärten und ein Wäldchen trägt. Wasser erhält die Besatzung durch einen 190 m tiefen, nie versiegenden Brunnen. Der Bau der obern Festungswerke wurde unter Kurfürst Christian I. 1589 begonnen, aber erst 1731 vollendet. Der K. beherrscht die EIlbe und die Dresden-Bodenbacher Eisenbahn und hinderte daher in diesem Bereich im Deutschen Kriege von 1866 die Kommunikation der Preußen mit Böhmen. Die bisher für uneinnehmbar gehaltene Festung diente in bedrängten Zeiten als Zuflucht für die Schätze des Landes und der Fürsten. In Friedenszeiten wird die Festung, einschließlich der kleinen Besatzung, von etwa 460 Menschen bewohnt. Der Berg gehörte erst den Burggrafen von Dohna und kommt als Festung unter seinem jetzigen Namen zuerst gegen Ende des 14. Jahrh. vor. Mit dem Falle der Burggrafen von Dohna (1401) kam K. an die Markgrafen von Meißen und so an Sachsen. Merkwürdige Staatsgefangene daselbst waren der Kanzler Nik. Crell, Patkul, der Porzellanerfinder Böttger, der Alchimist von Klettenberg und Bakunin. Vgl. Moser, „Die Festung K. und ihre Umgebungy (Pirna 1872). Am Fuße des Bergs liegt die Stadt Königstein, welche Sitz eines Amtsgerichts und Station der Linie Dresden-Bodenbach der Sächsischen Staatsbahnen ist und (1880) 3788 E. zählt, welche Dampfsägemühlen, Papier⸗,Cellulose⸗„Spiegelrahmen⸗, Holzstoff⸗, Knopf⸗, Maschinenfabriken unterhalten. Gegenüber der Festung erhebt sich der 418 m hohe Lilienstein mit freier Aussicht und einem Restaurationsgebäude. Im Grunde des schnell fallenden Bielabachs liegen die Wasserheilanstalten Königsbrunn und Schweizermühle.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 471Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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