FeedKrankenzimmer. Der Raum
HeilkundeBrockhaus 1882

Krankenzimmer. Der Raum, in welchem Kranke und Verletzte verpflegt und behandelt werden, muß durchaus gewissen hygienischen Anforderungen entsprechen, soll anders die Behandlung derselben erfolgreich und ersprießlich sein. Vor allem muß das K. gehörig geräumig sein, jedem einzelnen Kranken mindestens 40—60 cbm Luftraum gewähren, ferner dem Sonnenlicht zugänglich, gut zu heizen, hinsichtlich seiner Temperatur gut zu regulieren und jederzeit gehörig zu ventilieren, sowie endlich still und ruhig gelegen sein; kleine, luft- und lichtlose, nach Norden gelegene Räume dürfen unter keinen Umständen für die Krankenpflege benutzt werden. Die Temperatur des K., die jederzeit mittels des Thermometers zu kontrollieren ist, betrage für bettlägerige Kranke + 12 bis 14 R. (+ 15 bis 17,5 C.), für Kranke, die tags über aufstehen, durchschnittlich 15 R. (J 18,5° C.); eine ausreichende Lufterneuerung läßt sich in Privathäusern meist nur durch öfteres und ausgiebiges Sffnen der Fenster, nötigenfalls auch der Thüren erreichen, wobei nur der Kranke durch Vorstellen von Bettschirmen, zweckmäßige Stellung des Betts u. dgl. vor direktem Luftzug zu schützen ist. Jede Verunreinigung der Zimmer durch qualmende Lampen, schlechte Heizungsanlagen, Absonderungen und Ausleerungen des Kranken u. dgl. ist möglichst zu vermeiden; ebenso wenig sind Räucherungen behufs angeblicher Luftverbesserung statthaft. Der Fußboden des K., der am besten durch olfarbe wasserdicht gemacht wird, muß täglich feucht ausgewischt werden; Scheuerdielen und Parketfußböden sind für ein K. verwerflich. Das Mobiliar muß möglichst einfach sein und ist durch feuchtes Abwischen fleißig zu reinigen; alle Staubfänger, wie Teppiche, Vorhänge, Polstermöbel u. dgl. sind aus dem K. zu entfernen. Nach der Genesung des Kranken muß das K., wenn es sich um eine ansteckende Krankheit handelte, zunächst gründlich desinfiziert werden; Fußböden, Wände, Decken, Fenster, Möbel und Gerätschaften sind zuerst mit Tüchern, Schwämmen oder Bürsten, die mit Sublimatlösung (1 Teil Sublimat auf 5000 Teile Wasser) getränkt sind, abzureiben und unmittelbar darauf mit Schmierseifenlauge (15 g Schmierseife in 10 1 Wasser aufgelöst) abzuseifen; tapezierte Wände müssen mit feuchten Tüchern abgewischt und neu tapeziert werden. Darauf lüfte man das Zimmer fleißig und lasse es, wenn möglich, einige Wochen leer stehen. Über die K. und Krankensäle der Krankenhäuser s. unter Krankenhäuser.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 576Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Heilkunde 6